Aurora-Morde Tatort Kinosaal

Zerfetzte Sitzpolster, durchschossene Trinkbecher, blutige Servietten: Ermittlungsfotos zeigen den Kinosaal, in dem James Holmes zwölf Menschen ermordete.

AP/Arapahoe County District Attorneys Office

Ermittler in Colorado haben zu einem der schlimmsten Massenmorde in der jüngeren US-Geschichte Hunderte Fotos veröffentlicht. Die Bilder zeigen unter anderem den Kinosaal, in dem James Holmes am 20. Juli 2012 bei einer "Batman"-Premiere zwölf Menschen erschoss und rund 70 verletzte. Das Bildmaterial lässt erahnen, wie hilflos die Opfer dem inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilten Attentäter ausgesetzt waren.

An vielen Sitzen zerfetzten die Kugeln den dunklen Stoffbezug, zu sehen sind die hellen Schaumstoffpolster. Trinkbecher mit Einschusslöchern wurden zu Beweismitteln, Blutspuren auf dem Boden am Ausgang des Kinosaals und ein weggeworfenes Sturmgewehr inmitten von Blutspritzern zeugen von der Brutalität des Angriffs.

Holmes war 2011 von Kalifornien nach Colorado gezogen. Er studierte an der Universität von Colorado, verließ die Hochschule nach einem Jahr aber ohne Abschluss. Zu der Zeit soll er das Attentat bereits geplant haben.

Ermittlern zufolge waren selbstgebaute Bomben in Holmes' Wohnung Teil eines perfiden Plans: Die Sprengsätze sollten detonieren, sobald jemand das Apartment betrat und damit Rettungskräfte abseits des Kinos binden. Fotos aus der Wohnung geben einen Eindruck davon, welche Zerstörung Holmes beabsichtigte. Auf dem Boden sind mehr als ein Dutzend Bomben zu sehen, verbunden mit Drähten. Die Polizei fand dort auch Schießpulver, Patronen und Zünder. Es gelang, die Sprengsätze zu entschärfen.

Holmes war zunächst unbewaffnet in das Kino gekommen, während des Films herausgeschlichen und mit militärischer Ausrüstung wie Helm und Schutzkleidung zurückgekehrt. Dann schoss er erst mit einer Schrotflinte, einem Sturmgewehr und schließlich mit einer Pistole in die Menge.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe für Holmes gefordert. Dazu wäre eine einstimmige Entscheidung der Jury nötig gewesen; diese blieb aus. "Es ist fast nicht zu verstehen, wie ein Mensch dazu fähig sein kann, solche Taten zu begehen", sagte Richter Carlos Samour bei der offiziellen Bestätigung des Strafmaßes.

ulz/AP

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