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Auschwitz-Prozess in Lüneburg: Überlebender schildert Grauen auf Todesmarsch

Im Prozess gegen den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning hat ein Auschwitz-Überlebender ausgesagt - und berichtet, wie er im KZ seine Eltern verlor. Auch ein historischer Gutachter wurde vor dem Lüneburger Landgericht als Zeuge gehört.

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AP

Angeklagter Oskar Gröning: Auschwitz-Prozess in Lüneburg

Eugene Leibovitz wurde im Alter von 15 Jahren mit seiner Familie aus Ungarn verschleppt - ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Vor dem Lüneburger Landgericht schilderte er nun das Grauen in dem Vernichtungslager, in dem seine Eltern starben. Der 86-Jährige erzählte auch von den Schrecken eines Todesmarsches durch den eisigen Winter 1945 - mit Erschießungen und anderen Mordaktionen, ehe es zu seiner Befreiung kam.

Vor dem Landgericht muss sich der frühere SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen während der "Ungarn-Aktion" im Sommer 1944 verantworten. Der 93-Jährige hatte sich zu Prozessbeginn zu seiner moralischen Mitschuld bekannt. Am Dienstag schilderten Überlebende die unmenschlichen Bedingungen im KZ Auschwitz.

Gröning hatte zu Beginn des Verfahrens ausgesagt, während der Zeit der Transporte aus Ungarn nur höchstens dreimal vertretungsweise Dienst an der Rampe getan zu haben, um das zurückgelassene Gepäck zu bewachen. Auch wegen seiner Beförderung zum Unterscharführer sei er davon ausgenommen worden. "Das halte ich für vollkommen unglaubwürdig", sagte der historische Gutachter Stefan Hördler dazu am fünften Prozesstag. Der "engere Dienstbereich" Grönings hätte aber den Rampendienst nicht vorgesehen, bestätigte er.

Die nach dem Krieg geborene Judith Kalman sagte in dem Prozess aus, wie der Holocaust auch ihr Leben geprägt hat. Die in Kanada lebende 61-jährige Autorin kam in dem Verfahren als erste nach dem Völkermord geborene Nebenklägerin zu Wort. Allein ihr Vater habe 84 Verwandte durch den Holocaust verloren, sagte Kalman. Sie verdanke ihr Leben letztlich dem Tod ihrer Halbschwester Eva, weil ihr Vater nach dem Tod seiner Familie in Auschwitz eine neue Familie gegründet habe.

Auch Kalmans Mutter war eine Überlebende des Lagers. "Die Auslöschung der Familien meiner Eltern und insbesondere der Tod der Kinder haben mich ab dem Moment meiner Zeugung geprägt", erklärte sie. Kalman sprach vom "Schuldgefühl der zweiten Generation", "über die geerbte Schuld, überlebt zu haben."

wit/dpa

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