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Prozess gegen früheren KZ-Wachmann: "Sprechen Sie darüber, was Sie getan haben"

Er war Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz. Jetzt, mit 94 Jahren, steht Reinhold Hanning in Detmold vor Gericht. Ein KZ-Überlebender richtete einen eindringlichen Appell an den Angeklagten.

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Landgericht Detmold: Prozess gegen den ehemaligen Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning

In einem der letzten großen NS-Prozesse steht ein früherer SS-Wachmann aus dem Konzentrationslager Auschwitz in Detmold vor Gericht. Der 94-jährige Reinhold Hanning muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verantworten.

Zum Auftakt des Verfahrens forderte ein Auschwitz-Überlebender als erster Zeuge in einem emotionalen Appell den Angeklagten zur Aussage auf: "Herr Hanning, wir sind fast gleich alt und wir stehen bald beide vor dem höchsten Richter. Ich möchte Sie auffordern, uns die historische Wahrheit zu sagen", sagte Leon Schwarzbaum, nachdem er über seine furchtbaren Erlebnisse im deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz berichtet hatte.

Dort wurden nach Angaben des Nebenklägers 35 seiner Verwandten von den Nazis ermordet. "Sprechen Sie an diesem Ort darüber, was Sie und ihre Kameraden getan oder erlebt haben", rief Schwarzbaum.

Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht und verfolgte das Geschehen im Gerichtssaal ohne sichtbare Anteilnahme mit tief gesenktem Kopf.

Hanning ist gesundheitlich angeschlagen und hat nach Angaben der Verteidigung vor Kurzem einen Zusammenbruch erlitten. Laut einem gerichtlich bestellten ärztlichen Gutachter ist er verhandlungsfähig, allerdings für höchstens zwei Stunden pro Tag.

Angaben von Hanning zu den Vorwürfen seien "derzeit" nicht geplant, sagte dessen Verteidiger. "Wir wollen erst einmal die Zeugen hören und werden dann entscheiden, was wir tun." Der Prozess, an dem 40 Auschwitz-Überlebende und Angehörige von Holocaust-Opfern aus dem In- und Ausland als Nebenkläger teilnehmen, wird am Freitag fortgesetzt. Angesetzt sind für das Verfahren zunächst Termine bis in den Mai.

Die Staatsanwaltschaft wirft Hanning vor, als Mitglied des sogenannten SS-Totenkopfsturmbanns Auschwitz zur Wachmannschaft des Lagerkomplexes gehört zu haben und so den Massenmord an Häftlingen und deportierten Juden während des Holocausts unterstützt zu haben. Die Vorwürfe gegen H. beziehen sich auf die Jahre 1943 und 1944.

"Dem Angeklagten waren sämtliche Tötungsmethoden bekannt", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Brendel bei Verlesung der Anklage. Hanning habe die Morde durch seinen Dienst "gefördert oder zumindest erleichtert".

lba/dpa

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