Großfahndung in Boston: Eine Metropole hält den Atem an

Großfahndung nach Bombenleger: Boston im Ausnahmezustand Fotos
AP

Erst suchten die Ermittler nach den Bombenanschlägen von Boston tagelang nach Spuren, nun überschlagen sich die Ereignisse: Zwei mutmaßliche Täter lieferten sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, einer starb, der andere ist weiter auf der Flucht. Die Fahndung versetzt Boston in den Ausnahmezustand.

Boston - Gepanzerte Fahrzeuge und Polizeiwagen haben die Straßen von Watertown übernommen, die Nationalgarde ist vor Ort, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillieren. Doch nicht nur in dem Vorort ist das zivile Leben zum Stillstand gekommen: Boston, die Millionenmetropole an der Ostküste der USA ist im Ausnahmezustand (verfolgen Sie hier die Ereignisse im Liveticker).

Erst wurden nur Bewohner von Vororten gebeten, in ihren Häusern zu bleiben, dann wurde die Warnung auf die gesamte Stadt ausgeweitet.

Es ist ein Mann, der Boston in Atem hält: Dschochar Zarnajew. Der 19-Jährige soll gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan für die Bombenanschläge auf den Marathon von Boston verantwortlich sein.

Der 26-jährige Tamerlan Zarnajew ist tot. Er starb in der Nacht auf Freitag bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Die Beamten waren am Abend zu der US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) gefahren, es ging um Ruhestörung. Es kam zu einer Schießerei, bei der ein Sicherheitsbeamter getötet wurde.

Luftraum gesperrt

Dschochar und Tamerlan Zarnajew flüchteten, bei der Verfolgungsjagd sollen sie Sprengkörper aus dem Auto geworfen haben. Es fielen Schüsse, Tamerlan wurde schwer verletzt, die Umstände sind noch unklar. Er kam ins Krankenhaus des Vorortes Watertown, wo er seinen Verletzungen erlag. Nach Angaben von Ärzten wurde er von extrem vielen Kugeln getroffen. Die Zahl der Einschüsse sei "nicht zu zählen gewesen", sagte ein Krankenhausarzt. Er soll auch Verletzungen gehabt haben, die von einer Explosion stammten.

Dschochar Zarnajew wurde nicht gefasst, er soll aus dem Auto gestiegen und geflohen sein. Die Polizei fürchtet, er könnte einen Sprengsatz am Körper tragen. Auch deshalb riegelten die Behörden Boston ab: Der Nahverkehr wurde gestoppt, der Luftraum geschlossen. Auf den Straßen von Watertown durften auch keine Privatautos fahren oder Geschäfte öffnen. Die Harvard-Universität blieb ebenfalls geschlossen.

Die Polizei von Boston durchsucht jedes einzelne Haus in Watertown nach dem Verdächtigen. Die Ermittler teilten zuvor per Twitter mit, dass uniformierte Beamte von Tür zu Tür gehen würden.

"Ich kann es nicht glauben"

Am Donnerstagabend hatte die Polizei erstmals Fotos der Verdächtigen veröffentlicht, die kurz vor dem Terroranschlag am Montag am Tatort aufgenommen worden waren. Sie zeigen zwei junge Männer mit Rucksäcken, in denen sie vermutlich den Sprengstoff transportierten.

Ein Motiv für den blutigen Anschlag beim Boston-Marathon, bei dem am Montag drei Menschen getötet und 180 verletzt wurden, ist bisher nicht bekannt. "Wir glauben, dass das ein Terrorist ist", sagte Bostons Polizeichef Ed Davis über Dschochar Zarnajew. "Wir glauben, dass dieser Mann hierhergekommen ist, um Menschen umzubringen. Wir müssen ihn dingfest machen."

Der Onkel der mutmaßlichen Bombenleger sagte, die Brüder seien in Kirgisien aufgewachsen. Sie seien schon sieben oder acht Jahre in den USA, er habe das letzte Mal vor zwei Jahren mit den Brüdern Kontakt gehabt, weil es in der Familie Probleme gegeben habe.

Am Donnerstag habe der ältere der Brüder ihn jedoch plötzlich angerufen und sich entschuldigt. Wenn die Brüder tatsächlich die Bomben gelegt haben sollten, "tut es mir leid. Ich kann es nicht glauben", so der Onkel.

bim/dpa/Reuters

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