Kindesmissbrauch in katholischer Kirche in Australien "Wir neigen unsere Köpfe vor Scham"

Eine Untersuchung in Australien zeigt ein erschütterndes Ausmaß von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche: Seit 1980 wurden Tausende Fälle gemeldet, aber nur wenige verfolgt.

Francis Sullivan
AFP/AFP PHOTO / JEREMY PIPER / ROYAL COMMISSION INTO INSTITUTIONAL RESPONSES TO CHILD SEXUAL ABUSE

Francis Sullivan


Sieben Prozent der zwischen 1950 und 2010 in Australien tätigen katholischen Priester wurden sexueller Übergriffe gegen Kinder beschuldigt, nur wenige der rund 1260 Personen jedoch tatsächlich verfolgt. Das ist das Ergebnis einer staatlichen Untersuchung in Kooperation mit der katholischen Kirche.

Die Erhebung listet zwischen 1980 und 2015 insgesamt 4444 Fälle auf, in denen in religiösen Einrichtungen Vorwürfe von Kindesmissbrauch vorgebracht wurden. Nicht nur die hohe Anzahl der mutmaßlich sexuell missbrauchten Kinder ist schockierend, auch ihr Durchschnittsalter. Bei Mädchen beträgt es zehneinhalb, bei Jungen elfeinhalb Jahre.

"Diese Zahlen sind schockierend. Sie sind tragisch und nicht zu vertreten. Wir neigen unsere Köpfe vor Scham", sagte Kirchenvertreter Francis Sullivan.

"Enorme Fehler"

Kardinal George Pell hatte bereits im vergangenen Jahr eingeräumt, die Kirche habe "enorme Fehler" begangen und "katastrophale Entscheidungen" getroffen, weil sie sich geweigert habe, misshandelten Kindern zu glauben. Stattdessen habe man Priester von Gemeinde zu Gemeinde versetzt.

Francis Sullivan sprach nun von einem massiven Versagen der australischen Kirche, Kinder vor Missbrauch zu schützen.

Auch Sydneys Erzbischof Anthony Fisher ließ über den Vatikan verkünden, er fühle sich von den Ergebnissen "erschüttert und gedemütigt". Er versprach, alles zu tun, um denjenigen beizustehen, denen die Kirche Schaden zugefügt habe. Darüber hinaus beabsichtige er, sich für eine transparentere, verantwortungsvollere und sichere Kultur für alle Kinder einzusetzen.

In den kommenden drei Wochen sollen mehrere Kirchenvertreter in Anhörungen vor der Kommission befragt werden. Der Abschlussbericht der Untersuchung wird noch in diesem Jahr erwartet.

csc/Reuters/AP



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