Ermittlungen im Darknet Australiens Polizei betrieb riesige Kinderporno-Plattform

Auf der Onlineplattform "Childs Play" tummelten sich Tausende Pädophile - und ahnten nicht, dass die Polizei das Forum betrieb. Fast wäre die Aktion der Behörden durch Recherchen einer norwegischen Zeitung aufgeflogen.


Eine Spezialeinheit der australischen Polizei hat fast ein Jahr lang eine große Plattform mit kinderpornografischem Material im Darknet betrieben. Ziel der Ermittler war es, möglichst viele Informationen über die Nutzer des Forums zu sammeln.

Das alles berichtet die norwegische Zeitung "VG" in einem investigativen Report. Die Journalisten waren demnach bei ihren Recherchen selbst mit dem Thema befasst - und hatten den Betreiber der Website bei der australischen Polizei gefunden.

Als die Journalisten die Polizei konfrontierten, stellte sich heraus, dass sie mit ihrer Recherche mitten in eine streng geheime Operation vorgestoßen waren: Der ursprüngliche Betreiber der Site "Childs Play", ein Kanadier, der sich WarHead nannte, war 2016 im US-Bundesstaat Virginia festgenommen worden. Er hatte sich mit einem Forumsmitglied getroffen, um eine Vierjährige zu vergewaltigen.

Die Nutzer des Forums ahnten nicht, dass der Betreiber festgenommen worden war. Und sie ahnten nicht, dass die US-Behörden den australischen Kollegen die Kontrolle über die Darknet-Plattform überlassen hatten. Das hatte einen Grund: Die australische Polizei darf bei Fahndungen Bilder posten, die Missbrauch zeigen- damit hatte die Spezialeinheit Argos Taskforce in Queensland einen Vorteil.

Polizei postete Missbrauchsfotos

Denn die Nutzer der Plattform erwarteten mindestens einen Eintrag von WarHead pro Monat - mit einem kinderpornografischen Foto. So etwas würden Polizisten nicht machen, war das Kalkül. Bei einem Eintrag ohne Foto hätte jeder Nutzer gewusst, dass WarHead in Schwierigkeiten ist.

Die Polizisten begannen, sich als WarHead auszugeben und luden auch Missbrauchsfotos hoch, eine ethische und juristische Gratwanderung. Heimlich sammelten die Ermittler Informationen über Nutzer, bis die Seite 2017 offline genommen wurde. "VG" hielt seinen Bericht zurück, um die Ermittlungen nicht zu gefährden und erhielt im Gegenzug Einblick in die Ermittlungen.

Gegründet im April 2016, waren bis zur Schließung der Plattform mehr als eine Million Nutzer registriert. Rund hundert sollen Kindesmissbrauch gefilmt und Videos sowie Fotos geteilt haben. Argos-Leiter Jon Rouse sagte, die Aktion habe weltweit Kinder gerettet und zur Festnahme Krimineller geführt.

Die Aktion brachte der Polizei die Identitäten Hunderter Personen in aller Welt ein, die auf "Childs Play" aktiv waren. Die beiden Männer, die sich zur Vergewaltigung der Vierjährigen verabredet hatten, wurden deswegen schon zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen ihrer Beteiligung an "Childs Play" sollen sie noch vor Gericht kommen.

ulz

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