Misshandlung in Jugendgefängnis "Ich sah den Horror mit eigenen Augen"

Wachen schlagen 14-Jährige, attackieren sie in verschlossenen Zellen mit Tränengas: In einem australischen Jugendknast sind Insassen schwer misshandelt worden. Politiker zeigen sich schockiert.

Don Dale Centre in Australien
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Don Dale Centre in Australien


Ein halbnackter Junge, gefesselt in einem Stuhl. Über den Kopf haben ihm Wachleute eine Kapuze gestülpt, die Arme an die Lehnen des Stuhls fixiert, ein Riemen hält den Kopf an der Lehne. "Du entspannst dich einfach", sagt einer der Uniformierten zu dem Jugendlichen. "Wir kommen wieder und schauen uns das noch mal an." Dann lassen die Männer den Jungen allein. Zwei Stunden soll diese Tortur gedauert haben.

Es sind grausige Bilder, die der Sender ABC in seiner Sendung "Four Corners" zeigte. Sie stammen aus Australien. Genauer: aus dem Don Dale Centre in Darwin, im nördlichen Territorium. Dort wurden Teenager schwer misshandelt. Wachen attackierten Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren in einer Zelle mit Tränengas und schlugen Jugendliche, andere Insassen wurden mehr als zwei Wochen fast rund um die Uhr in eine Einzelzelle ohne fließendes Wasser und Tageslicht gesperrt.

"Ich saß da und schaute mir die Bilder an und sah den Horror mit eigenen Augen", sagte Adam Giles, der Regierungschef des nördlichen Territoriums. Er erklärte laut dem Sender ABC, er habe das Material vor der Ausstrahlung noch nie gesehen. Schuld an den Missständen sei eine "Vertuschungskultur" im Vollzugssystem. Er habe den Strafvollzugsminister John Elferink entlassen.

"Eine Nation von Gefängniswärtern"

Auch Australiens Premierminister Malcolm Turnbull zeigte sich empört und ordnete eine sofortige Untersuchung an. "Wie alle Australier bin ich schockiert", sagte er dem Sender ABC. Die Untersuchung müsse zeigen, ob es sich bei den Übergriffen um örtlich begrenzte Vorfälle handele, oder "ob es eine Kultur gibt, die sich durch das gesamte Vollzugssystem des nördlichen Territoriums zieht".

Der australische Abgeordnete Ken Wyatt sagte laut "Guardian", er sei "verärgert, schockiert und beschämt", dass solch eine Behandlung in Australien möglich sei. Patrick Dodson, Mitglied der Labor-Partei und zuständig für die indigene Bevölkerung, sagte: "Es entsteht immer mehr der Eindruck, wir sind eine Nation von Gefängniswärtern."

Der Tränengaszwischenfall im Don Dale Centre war schon 2014 bekannt geworden wurde bereits einmal untersucht. Die Behörden behaupteten damals aber, die Gefangenen hätten randaliert und der Einsatz sei nicht exzessiv gewesen. ABC zeigte Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, die das widerlegten.

Welche Wirkung die politische Empörung über den Fall haben wird, ist unklar. Premierminister Turnbull sagte laut "Guardian", Kinder in Haft sollten menschlich behandelt werden.

cnn/AP/Reuters/dpa

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