Plastiktütenverbot in Australien Kunden bepöbeln und attackieren Supermarktpersonal

Plastiktüten nur noch gegen Geld: Diese Neuregelung in australischen Supermärkten macht viele Kunden einer Umfrage zufolge so wütend, dass sie regelrecht durchdrehen.

Kunde in Sydney
DPA

Kunde in Sydney


Keine Einwegplastiktüten mehr, der Umwelt zuliebe - dieser Entschluss des Handels bringt viele Supermarktkunden in Australien in Rage. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Gewerkschaft für Groß- und Einzelhandelsangestellte. Demnach erleben Angestellte immer wieder, dass Kunden ausfällig werden - oder sogar handgreiflich.

"Ein männlicher Kunde hat eine Verkäuferin laut beschimpft", sagte Gewerkschaftsvertreter Ben Harris. Die Verkäuferin habe ihm daraufhin kostenlose Plastiktüten gegeben und sich entschuldigt. "Als sie ihm wenig später beim Einscannen eines Produkts helfen wollte, hat er ihr die Hände von hinten um den Hals gelegt."

Andere Kunden warfen Waren auf den Fußboden, fluchten und stürmten aus dem Supermarkt, wie Gewerkschaftsmitglieder berichteten. Gerard Dwyer, Chef der "Shop, Distributive and Allied Employees' Association", sagte, die Frustration mancher Kunden sei vielleicht verständlich. Es gebe aber "keine Entschuldigung für Gewalt gegen das Personal".

Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder zur Abschaffung der kostenlosen Plastiktüten befragt. Von 141 Angestellten, die bisher antworteten, berichteten den Angaben zufolge 61, sie seien verbal oder gar körperlich von wütenden Kunden angegriffen worden.

Aus Protest: Kunden bringen dreckige Tüten mit

Dwyer sagte, manche Kunden hätten aus Protest gegen die Abschaffung der kostenlosen Plastiktüten sogar dreckige von zu Hause mitgebracht. "Kunden wollten ihre Einkäufe in Tüten mit Erbrochenem, mit benutzten Windeln oder Rattenkot stecken." Das sei nicht hinnehmbar, auch weil dies ein ernstes Gesundheitsrisiko für das Personal darstelle.

Die beiden großen Supermarktketten des Landes, Woolworths und Coles, hatten im vergangenen Jahr angekündigt, kostenlose Einwegtüten aus Plastik durch wiederverwendbare Tüten zum Preis von je 15 Cent zu ersetzen. Woolworths begann damit am 20. Juni, musste die Aktion aber wegen meuternder Kunden um zehn Tage verschieben. Coles verlangt seit Sonntag Geld für Tüten.

Im Kampf gegen den Plastikmüll haben alle australischen Bundesstaaten außer New South Wales ein Plastiktütenverbot erlassen oder planen eines. Händler, die sich nicht daran halten, müssen mit Strafen bis zu 6000 australischen Dollar (3800 Euro) rechnen.

Mehr als acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen laut den Vereinten Nationen jedes Jahr im Meer. Die Uno will deshalb bis 2022 erreichen, dass Einwegplastik aus dem Handel verschwindet. Mehr als 60 Länder hätten bereits Schritte unternommen, um Plastikmüll zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.

fok/AFP/Reuters



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