Missbrauch Vorwürfe gegen Vater von Leihmütter-Kindern

Ein Australier soll Zwillinge missbraucht haben, die eine Leihmutter aus Thailand für ihn ausgetragen hat. Bei dem Mann wurde nun kinderpornografisches Material gefunden, er bestreitet die Vorwürfe. Der Fall befeuert die Debatte über Leihmutterschaft.


Canberra - Er zeugte zwei Mädchen und ließ sie von einer thailändischen Leihmutter ausgetragen: Nun steht ein Australier im Verdacht, die Zwillinge missbraucht haben, als sie vier oder fünf Jahre alt waren.

Der Mann, der zwischen 50 und 60 Jahre sein soll, streitet die Vorwürfe ab. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Polizisten jedoch kinderpornografisches Material bei dem Verdächtigen. Dies geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die dem TV-Sender ABC vorliegen. Nun wird wegen sexuellen Missbrauchs und des Besitzes von Kinderpornografie gegen den Mann ermittelt.

Die biologische Mutter der Zwillinge ist eine 31-jährige Frau aus der 400 Kilometer nördlich von Bangkok gelegenen Provinz Petchabun. Der Mann und seine "deutlich ältere Frau" hätten sie vor sieben Jahren kontaktiert, weil sie keine eigenen Kinder bekommen konnten, sagte die Frau laut ABC. Rund 5500 Dollar hätten ihr die Australier damals für die Leihmutterschaft gezahlt.

Nach der Geburt hätten die Kinder unter Lungen- und anderen Gesundheitsproblemen gelitten. Erst mit fünf Monaten seien die Säuglinge den Australiern übergeben worden. Die Kinder seien reizend gewesen. "Wenn sie mir vorgeschlagen hätten, die Zahlung zurückzuziehen und dafür die Kinder bei mir zu lassen, hätte ich Ja gesagt", sagte die Leihmutter. Weil bei der Befruchtung die Eizellen der Thailänderin verwendet worden seien, habe ihr das Paar außerdem eine zusätzliche Geldsumme versprochen, die sie jedoch nie bekommen habe.

Tatverdächtiger ab Dezember vor Gericht

Zum sexuellen Missbrauch soll es gekommen sein, als die Frau des Verdächtigen im Krankenhaus und der Mann mit den Kindern allein war. Er habe sie zu sexuellen Handlungen genötigt und mehrmals geschlagen, berichtet die Zeitung "Sidney Morning Herald". Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgehe, sei der Mann bereits längere Zeit arbeitslos und neige zu Jähzorn.

Die Ehe des australischen Paares wurde bereits vor Jahren geschieden, die Kinder befinden sich heute in der Obhut der Frau, die das alleinige Sorgerecht hat. Die Anklage gegen den Vater wurde bereits im vergangenen Jahr erhoben, wurde aber erst jetzt öffentlich. Derzeit ist der Australier gegen Kaution frei, ab dem 8. Dezember muss sich der Mann vor Gericht verantworten.

Die Anschuldigungen kommen zu einer Zeit, in der das Geschäft um Leihmutterschaft ohnehin in Verruf geraten ist. Besonders in Thailand blüht es mangels Rechtsvorschriften, rund 2000 ausländische Paare lassen jedes Jahr Kinder durch thailändische Frauen austragen.

Der Fall des sieben Monate alten Babys Gammy hatte weltweit Empörung ausgelöst: Die Frau hatte ebenfalls Zwillinge für ein australisches Paar ausgetragen. Als eines der Kinder mit dem Downsyndrom und einem Herzfehler geboren wurde, nahmen die Australier nur den gesunden Zwilling mit und ließen das behinderte Kind bei der Mutter zurück - so stellt es zumindest die Leihmutter dar. Zusätzliche Brisanz bekommt der Fall durch die Vergangenheit von Gammys leiblichem Vater: Der Australier saß Medienberichten zufolge bereits wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis - er soll drei Mädchen im Alter von unter 13 Jahren missbraucht haben.

"Leihmutterschaft für Pädophile eine interessante Option"

Den Verdacht auf Menschenhandel weckte der Fall eines Japaners, der in Bangkok scheinbar eine Art Babyfabrik betrieb. Polizisten fanden neun kleine Kinder samt Kindermädchen und eine schwangere Frau in der Wohnung des Mannes. Der Japaner gab an, alle Kinder selbst gezeugt zu haben. Ermittlungen ergaben, dass alle Kinder tatsächlich den selben Vater haben und von verschiedenen Müttern ausgetragen wurden. Die Spuren der Ermittler führen zu mindestens elf Leihmüttern und 15 Kindern.

Der jüngste Fall von mutmaßlichem Kindesmissbrauch alarmiert die Behörden in Australien und Thailand: Derzeit werde diskutiert, ob die Kinder in ihrer australischen Familie bleiben oder zu ihrer leiblichen Mutter zurückkehren, sagte Ilya Smirnoff von der Kinderrechtsorganisation Childline Thailand Foundation. "Für Pädophile, die schnellen und einfachen Zugang zu Kindern suchen, ist die Leihmutterschaft definitiv eine interessante Option", sagte er. Das System weise große Lücken auf, die von bestimmten Personen ausgenutzt würden.

In Thailand soll die gewerbliche Leihmutterschaft nun verboten werden: Ein Gesetzesentwurf sieht vor, dass Leihmütter nur noch Kinder für Verwandte austragen dürfen - unentgeltlich. Der Entwurf muss noch formal noch vom Parlament verabschiedet und von Thailands König Bhumibol bestätigt werden. Wann es in Kraft tritt, ist unklar.

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