Geständnis des Autobahn-Schützen: Der Lkw-Hasser

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Fahndungsplakat: Das BKA ging mehr als 450 Hinweisen nach

Er hat Hunderte Male auf Lastzüge geschossen. Nach der Festnahme hat der Autobahn-Schütze seine Taten gestanden. Der 57-Jährige nannte "Ärger und Frust im Straßenverkehr" als Grund. Er sei früher einmal von einem Lkw abgedrängt worden.

Wiesbaden - Der mutmaßliche Lkw-Schütze hat seine Taten wenige Stunden nach der Festnahme gestanden. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Als Motiv habe der 57-jährige Lastwagen-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen "Ärger und Frust im Straßenverkehr" genannt, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Demnach handelte der Mann laut eigener Aussage allein. Es habe weder Mittäter noch Mitwisser gegeben.

Seit 2008 hatte der verheiratete Mann mindestens 762-mal aus seinem Lastwagen auf Autotransporter, Fahrzeuge und Gebäude geschossen. Er war am Sonntagmorgen in seinem Wohnort in der Nordeifel festgenommen worden. Auf dem Anwesen des 57-Jährigen stellte die Polizei demnach drei Waffen sicher, darunter zwei mit Schalldämpfern versehene Pistolen der Kaliber 22 und 9 mm sowie einen Schießkugelschreiber. Der Verhaftete habe die Waffen in einer Hecke versteckt. Außerdem habe man bei ihm noch 1300 Schuss Munition gefunden. Er habe keinen Waffenschein besessen.

Demnach sagte der gelernte Werkzeugmacher bei seiner Vernehmung, er sei vor vielen Jahren von einem Autotransporter auf der Autobahn abgedrängt worden. Beinahe sei es zu einem schweren Unfall gekommen. Auf seinen Fahrten habe er sich häufig über andere Lkw-Fahrer geärgert. Die Schüsse sah er als eine Art Selbstjustiz. Der Würzburger Staatsanwalt Dietrich Geuder beschrieb den Verhafteten als "frustrierten Einzelgänger mit Hass auf andere Personen und Affinität zu Waffen".

Laut den Ermittlern habe der 57-Jährige nur Sachen beschädigen wollen. Weil er sich für einen guten Schützen halte, sei er der Meinung gewesen, ein Personenschaden würde nicht entstehen. Die Realität sah anders aus: Zwei Frauen erlitten Verletzungen durch die Anschläge, eine wurde in ihrem Auto am Hals getroffen, die andere kam von der Straße ab und prallte gegen eine Leitplanke.

Mehr als zehn Jahre arbeitete der Mann bei einem Speditionsunternehmen in der Eifel als Lkw-Fahrer. Bei seinem Arbeitgeber galt der 57-Jährige als zuverlässig und unauffällig. "Bei uns sagt man im Speditionsjargon: Das war einer der Guten", sagte Bernd Kreutz, Geschäftsführer des Unternehmens, der Nachrichtenagentur dpa.

"Es gibt keine unkontrollierte Datensammelei"

Mehr als vier Jahre ermittelte die Polizei in dem Fall. Relativ früh war man davon ausgegangen, dass ein Lkw-Fahrer der Täter sein könne, weil die Höhe der Einschusslöcher auf einen Schützen im Führerhaus eines Lastwagens schließen ließ.

Die Ermittler kamen dem Tatverdächtigen schließlich durch die Auswertung von Daten auf die Spur. Man hatte automatisierte Kennzeichen-Lesesysteme an verschiedenen Stellen auf der vermuteten Hauptroute des Verdächtigen aufgestellt und die Daten der Fahrzeuge dann verglichen. Außerdem habe man Mobilfunkdaten des mutmaßlichen Lkw-Schützen ausgewertet.

Den Vorwurf, dass bei diesem Vorgehen datenschutzrechtliche Maßgaben vernachlässigt sein worden, wies Ziercke zurück. "Es gibt keine unkontrollierte Datensammelei", so der BKA-Chef. Die erfassten Kennzeichen seien nach zehn Tagen gelöscht worden, nicht eine andere Telefonnummer als die des Verdächtigen sei gespeichert oder identifiziert worden. "Wir haben eine hohe und konkrete Gefahr für Menschen in Deutschland abgewehrt und das Fahren auf deutschen Autobahnen wieder sicher gemacht", sagte Ziercke. Es habe keine Alternative gegeben.

Der mutmaßliche Schütze muss sich nun wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, einem Verstoß gegen das Waffengesetz und Sachbeschädigung verantworten. Zudem werde geprüft, ob versuchter Mord in die Anklage aufgenommen werden könne.

gam/dpa

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