Baby-Entführung: Deutsches Paar zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

Vor den Augen der Mutter entführte ein deutsches Paar in Tschechien ein Baby aus einem Kinderwagen. Wenige Tage später wurde das Kind wohlbehalten in Rheinland-Pfalz gefunden. Nun hat das Landgericht Koblenz die Entführer schuldig gesprochen.

Koblenz - Rund acht Monate nach der Entführung eines Babys in Tschechien sind eine 48-Jährige und ihr drei Jahre älterer Lebensgefährte zu jeweils viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Paar hatte nach Überzeugung des Koblenzer Landgerichts die wenige Wochen alte Michalá vor den Augen ihrer Mutter aus einem Kinderwagen entführt. Die beiden müssen der tschechischen Frau ein Schmerzensgeld von insgesamt 5000 Euro zahlen.

Das damals wenige Wochen alte Baby war einige Tage nach der Entführung wohlbehalten in der Wohnung der Mutter der Angeklagten in Neuwied (Rheinland-Pfalz) gefunden worden. Die 48-Jährige hatte die Tat gestanden, ihren Freund habe sie angeblich mit Lügen in das Ganze hineingezogen. Nach eigener Aussage verschwieg sie ihm eine Fehlgeburt und behauptete, Michalá sei ihr gemeinsames Kind.

Das Gericht glaubte diese Angaben jedoch nicht. Der Vorsitzende Richter Thomas Metzger nannte die Angeklagten ein "reisendes Betrügerpärchen". Das Motiv für die Entführung blieb seiner Meinung nach offen.

Der Verteidiger des 51-Jährigen hatte Freispruch gefordert. Sein Mandant habe damals geglaubt, sich sein eigenes Kind zurückzuholen. Er sei "blind vor Liebe" gewesen und habe seiner Freundin alles geglaubt. Der Anwalt kündigte an, Revision einzulegen.

Die Verteidigerin der 48-Jährigen zeigte sich "einigermaßen zufrieden" mit dem Urteil. Sie hatte für eine Strafe von nicht mehr als vier Jahren plädiert. Die Entführung sei eine "Spontan-Tat" ihrer Mandantin gewesen, als deren Leben drohte, angesichts von Lügenkonstrukten den Bach runterzugehen.

Der Fall hatte in Tschechien und Deutschland großes Aufsehen erregt. Ermittler waren dem Paar trotz eines falschen Autokennzeichens mit Hilfe von Kameras an Autobahnen auf die Spur gekommen. Die beiden saßen seit ihrer Festnahme im Juli 2012 in Untersuchungshaft.

Die Urteile nahmen sie äußerlich gefasst entgegen. Zuvor hatte die Frau sich im Gerichtssaal mit tränenerstickter Stimme entschuldigt. Sie könne nicht in Worte fassen, was sie der Familie des Babys, ihrer Familie und ihrem Lebensgefährten angetan habe. Die letzten Worte des Angeklagten waren hingegen: "Ich bin unschuldig."

hut/dpa

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