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Baden-Württemberg: Polizei findet Leiche des vermissten Schülers

Die Polizei hat eine Leiche in einem Waldstück bei Offenburg gefunden. Der Tote lag in der Nähe des Elternhauses eines Schülers, der seit gestern Nachmittag vermisst wurde. Hunderte Polizisten hatten nach einer Amokdrohung nach dem jungen Mann gefahndet.

Offenburg - Polizisten entdeckten die Leiche in einem Waldstück in Meißenheim bei Lahr im Ortenaukreis. Laut Polizei handele es sich offenbar um den vermissten Gymnasiasten. Ersten Angaben zufolge hat sich der Schüler vermutlich selbst getötet.

Polizeieinsatz in Offenburg: Ausnahmezustand in den Schulen
AFP

Polizeieinsatz in Offenburg: Ausnahmezustand in den Schulen

Nach Angaben der Polizei war aus dem Haushalt des gesuchten jungen Mannes eine Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg verschwunden, ein Erbstück des verstorbenen Großvaters. Der Zwölftklässler war bereits seit gestern Nachmittag verschwunden, sagte Polizeidirektor Reinhard Renter. Es sei nicht auszuschließen, dass der junge Mann die Drohungen im Internet veröffentlicht habe.

Die Amokankündigung hatte ganz Baden-Württemberg in Alarmbereitschaft versetzt. Das Technische Gymnasium Offenburg sowie die Haupt- und Realschule in Neuried-Ichenheim, die der 18-Jährige früher besucht hatte, waren am Vormittag durchsucht worden. An der Haupt- und Realschule fiel der Unterricht aus, die Schüler waren aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt worden. Auch die Mitschüler des jungen Mannes wurden durchsucht, um sicherzugehen, dass keine Waffen in die Schule geschmuggelt werden.

Bei der Fahndung nach dem Jungen waren Spezialkräfte und Hubschrauber im Einsatz. Am Technischen Gymnasium in Offenburg, das der Jugendliche seit Sommer vergangenen Jahres besucht hatte, wurde unter starker Bewachung normal unterrichtet. Schüler und Lehrer wurden nach Schulende mit Polizeibewachung nach Hause gebracht.

Die Polizei hat bereits den Computer des Jugendlichen beschlagnahmt und sucht nun nach Hinweisen. Der Junge soll ein introvertierter Einzelgänger gewesen sein, der Probleme in der Schule hatte. Sein Vater sagte, er habe in letzter Zeit den Eindruck gemacht, dass er sich etwas antun wolle. Außerdem habe er sich für gewalthaltige Computerspiele interessiert.

Ob die Gefahr nun allerdings gebannt ist, ist noch unklar. Wer für die Drohung im Internet verantwortlich ist, muss noch geklärt werden. Die Fahnder hatten bislang allerdings angenommen, dass der Gymnasiast die Ankündigung verfasst hat.

Vor einigen Tagen waren nach Angaben des Landesinnenministeriums zwei Realschüler aus Rheinland-Pfalz bei Spielen des Computerspiels "Counter-Strike" mit einem Unbekannten in Kontakt gekommen. Im Verlauf des Spiels tauschten die Spieler Informationen über den zugeschalteten Chat aus. Dabei kündigte der anonyme User an, am Nikolaustag seine Schule in Baden-Württemberg überfallen zu wollen. Die beiden Realschüler hatten sich später über ihre Schulleitung an die Polizei in Rheinland-Pfalz gewandt.

Das baden-württembergische Kultusministerium bat daraufhin die Schulleitungen des Bundeslandes und die Eltern um besondere Aufmerksamkeit; Auffälligkeiten sollten umgehend der örtlichen Polizei mitgeteilt werden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Ankündigung ernst gemeint sei, hieß es.

ffr/AP/dpa

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