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Todeskandidaten auf Bali: Australien will Kosten für lebenslange Haft übernehmen

Chan und Sukumaran werden zur Hinrichtungsinsel Nusukamban transportiert: 50-mal hat Australien um Gnade gebeten Zur Großansicht
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Chan und Sukumaran werden zur Hinrichtungsinsel Nusukamban transportiert: 50-mal hat Australien um Gnade gebeten

Mehr als 50-mal hat Australien um Gnade für die beiden Männer gebeten, die wegen Drogenhandels auf Bali zum Tod verurteilt sind - ohne Erfolg. Nun hat das Land angeboten, eine lebenslange Gefängnisstrafe für beide zu bezahlen.

Jakarta - Wegen Heroinschmuggels wurden zwei Australier in Indonesien zum Tode verurteilt. Australien bemüht sich nach Kräften, die Strafe auszusetzen. Nun hat das Land angeboten, die Kosten für lebenslange Gefängnisstrafen für die beiden Männer zu übernehmen. Das teilte die Außenministerin Julie Bishop mit.

Die Australier Andrew Chan, 31, and Myuran Sukumaran, 33 sollen zusammen mit neun weiteren Ausländern und einem Indonesier in absehbarer Zeit erschossen werden.

Das Angebot, die Haftkosten zu tragen, sei nur eine von mehreren Alternativen, die Australien zur Abwendung der Todesstrafe angeboten habe, so Bishop. "Wir haben noch keine spezifische Antwort zu dem Vorschlag." Auf der Liste der Vorschläge stand demnach auch eine Gefangenenaustausch. Dies hat der indonesische Präsident jedoch abgelehnt.

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Todesstrafe in Indonesien: Der Fall der "Bali Nine"
Offenbar wurde die geplante Hinrichtung von Chan und Sukumaran zuletzt noch einmal aufgeschoben. Die Australier hatten vor Gericht noch einmal Berufung eingelegt. Die Anhörung wurde jedoch bis zum 19. März verschoben, weil die Anklage fehlerhafte Dokumente vorlegte.

Angespanntes Kräftemessen zwischen den Ländern

Chan und Sukumaran gelten als Rädelsführer der sogenannten Bali Nine. Neun Australier waren 2005 nach Indonesien geflogen, um Heroin aus dem Land nach Sydney zu schmuggeln. Alle wurden geschnappt, sieben wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Strippenzieher jedoch erhielten die Todesstrafe.

Der Fall der Bali Nine erzürnt in Australien auch deshalb die Gemüter, weil der Polizei Hinweise auf den geplanten Deal vorlagen - und diese die indonesischen Kollegen informierte, die die Männer festnahmen. Dabei sind die harten Drogengesetze in dem Land bekannt. Erst im Januar waren in Indonesien fünf Ausländer und eine Einheimische wegen Drogenhandels hingerichtet worden, internationale Gnadenappelle blieben wirkungslos.

Unterdessen sorgt der Fall für eine immer angespanntere Stimmung zwischen den beiden Ländern. Der indonesische Minister für Sicherheit verlangte mehr Dankbarkeit dafür, dass sein Land Asylbewerber von Australien fernhalte. "Da gibt es sonst einen menschlichen Tsunami." Der australische Premier Tony Abbott antwortete, er wolle sich mit niemandem streiten.

gam/AP

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