Kampf um Augenlicht: Unbekannter verletzt Bolschoi-Ballettchef mit Säure

Bolschoi-Ballettchef: Die Karriere des Sergej Filin Fotos
REUTERS

Der Ballettchef des Moskauer Bolschoi-Theaters wurde von einem Unbekannten mit Säure attackiert. Sergej Filin wurde schwer verletzt, Ärzte kämpfen um sein Augenlicht. Der Theatersprecherin zufolge wurde er schon häufiger bedroht - in einem "Krieg um Rollen".

Moskau - Sergej Filin wurde nahe seiner Wohnung in der Moskauer Innenstadt angegriffen. Ein Unbekannter habe den Ballettchef des legendären Bolschoi-Theaters am späten Donnerstagabend dort abgepasst, ihm Säure ins Gesicht geschleudert und sei dann geflohen, teilte die Polizei am Freitag mit. Filin sei im Gesicht, am Kopf und an den Augen verletzt worden.

Ärzte eines Moskauer Krankenhauses kämpfen um das Augenlicht des 42-Jährigen, der die größte und berühmteste Balletttruppe der Welt seit März 2011 führt. Er habe Verätzungen dritten Grades erlitten, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, sagte die Sprecherin des Theaters, Katja Nowikowa, nach einem Besuch im Krankenhaus. Sein Zustand sei stabil, aber es bestehe immer noch die Gefahr, dass er nicht mehr sehen könne.

Noch ist das Motiv für die Attacke unklar - aber möglicherweise handelte der Täter aus Neid oder Rache. "Es gab gegen Sergej ständig Drohungen, seit er diese Position übernommen hat", sagte Nowikowa.

Filins hart umkämpfter Posten gilt als einer der einflussreichsten in der Welt des Tanzes. Der Familienvater hat viele Neider. Nach seinem Antritt als künstlerischer Direktor modernisierte er das Repertoire des bekanntesten russischen Theaters, wofür er von Kritikern ebenso gefeiert wie kritisiert wurde.

"Er hat Prinzipien"

Außerdem bestimmt Filin die Tänzer für Rollen, was immer wieder zu Konflikten innerhalb der Truppe führt. "Wir hätten nie gedacht, dass solch ein Krieg um Rollen - und nicht etwa um Immobilien oder um Öl - solch ein kriminelles Niveau erreichen kann", sagte Nowikowa.

Auch Theatergeneraldirektor Anatolj Iksanow geht davon aus, dass der Angriff mit Filins Arbeit zu tun hat. "Er hat Prinzipien und ging keine Kompromisse ein", sagte Iksanow einem russischen Sender über Filin: "Wenn er glaubte, ein Tänzer war noch nicht reif oder für eine bestimmte Rolle ungeeignet, lehnte er ihn ab."

Verschiedene Mitglieder der Truppe, darunter Star-Tänzer Nikolai Ziskaridseb, hatten sich in der Vergangenheit über das Verhalten des Ballettchefs beschwert und es als unfair bezeichnet.

Der in Moskau geborene Filin war früher ein gefeierter Balletttänzer. Seit 1988 hatte er mit Unterbrechungen für die Kompanie des Bolschoi getanzt, bis er 2004 eine Verletzung erlitt.

siu/dpa/AFP

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