Randale in Baltimore Gouverneur von Maryland verhängt Ausnahmezustand

Die Gewalt in Baltimore eskaliert: Jugendliche plündern Geschäfte und zünden Autos an. Der Gouverneur von Maryland verhängt den Ausnahmezustand und will die Nationalgarde einsetzen. Nachts gilt eine Ausgangssperre.

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Nach der Trauerfeier für Freddie Gray ist es in der US-Großstadt Baltimore zu den bislang schwersten Ausschreitungen gekommen.

Demonstranten warfen Steine und Flaschen auf Einsatzkräfte, teilte die Polizei mit. Mindestens 15 Beamte seien dabei verletzt worden. Einer von ihnen sei bewusstlos, andere hätten gebrochene Knochen. Randalierer plünderten mehrere Geschäfte und steckten zahlreiche Autos in Brand. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Im Osten der Stadt steht ein gerade erst errichtetes kirchliches Seniorenheim in Flammen. Auch eine Apotheke wurde angezündet. Jugendliche behinderten die Löscharbeiten, indem sie Löcher in den Feuerwehrschlauch stachen. Laut Augenzeugen sind viele der Randalierer angetrunken - offenbar auch weil sie mehrere Spirituosenläden leer räumten.

Der Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, hat den Ausnahmezustand über den Bundesstaat verhängt. Er folge damit einer Bitte der Stadt Baltimore. Der Gouverneur versetzte damit auch die Nationalgarde in Alarmzustand. "Die heutigen Plünderungen und Gewalttaten in Baltimore werden nicht toleriert", sagte Hogan.

Er verurteilte die Taten scharf und sagte, es gebe einen großen Unterschied zwischen friedlichem Protest und Gewalt. "Die Nationalgarde ist das letzte Mittel, um die Ordnung wiederherzustellen. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen", sagte Hogan.

Schulen und Bahnhöfe in der 600.000-Einwohner-Stadt wurden rgeschlossen, das Baseballspiel der Baltimore Orioles wurde abgesagt.

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Ausschreitungen in Maryland: Randale in Baltimore
Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake verhängte eine Ausgangssperre: Sie soll ab Dienstag für eine Woche in jeder Nacht von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens gelten. Nur für medizinische Notfälle und falls es die Arbeit erfordert dürften die Menschen in Baltimore dann noch ihre Häuser verlassen, ordnete die Bürgermeisterin an. Bei Bedarf werde das nächtliche Ausgehverbot verlängert.

Die Nationalgarde solle so schnell wie möglich zum Einsatz kommen, um die Kontrolle über die Stadt zurückzugewinnen, sagte Rawlings-Blake. "Die Randalierer wollen Baltimore niederreißen, das von Generationen aufgebaut wurde", sagte die Bürgermeisterin. "Wir werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen."

Nach Angaben der Polizei planten Straßengangs in Baltimore gezielt, Polizisten anzugreifen und sogar zu töten. Es gebe "glaubhafte Drohungen", teilten die Sicherheitskräfte mit. Die Polizei in Baltimore hat 5000 zusätzliche Cops aus anderen Landesteilen angefordert.

Rund 3000 Menschen hatten am Nachmittag in einer Kirche in Baltimore an der Beisetzung des 25-Jährigen Freddie Gray teilgenommen. Gray war dort in einem weißen Sarg aufgebahrt worden. "Wir sind hier wegen Freddie Gray, aber wir sind auch hier, weil es viele Freddie Grays gibt", sagte der Anwalt der Familie, William Murphy, bei der Zeremonie. Murphy prangerte eine "Aushöhlung der Justiz" an und forderte eine Polizeireform. Grays Familie verurteilte die Krawalle im Anschluss an die Trauerfeier.

Gray war am 19. April, eine Woche nach seiner Festnahme, an Rückenmarksverletzungen gestorben. Der genaue Hergang der Ereignisse vom 12. April ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf einem Handyvideo von Zeugen ist zu sehen, wie die Beamten Gray auf einem Gehweg festhalten, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er ins Koma fiel.

Zuletzt hatte die Polizei eingeräumt, dass Gray sofort nach seiner Festnahme ärztliche Hilfe gebraucht hätte. Dies sei nicht geschehen, sagte Polizeivertreter Kevin Davis, der die Ermittlungen zu dem Fall leitet.

Sechs Beamte wurden inzwischen vom Dienst suspendiert. In einem Polizeibericht hatte es zunächst geheißen, die Festnahme sei ohne Gewaltanwendung verlaufen. Gray war der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden. Nach dem Tod des jungen Mannes gab es täglich Proteste in Baltimore, bei denen die vollständige Aufklärung von Grays Tod gefordert wurde.


Zusammengefasst: Die US-Großstadt Baltimore wird von den schwersten Krawallen seit Jahrzehnten erschüttert. Was als Protest gegen Polizeigewalt begann, hat sich zu einem Gewaltexzess entwickelt. Nun soll die Nationalgarde die Lage befrieden.

syd/brk/dpa/AFP/Reuters/AP

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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Inselbewohner, 28.04.2015
1. Normalität!
In den USA kommen jedes Jahr mehr Menschen durch Gewaltverbrechen ums Leben als in den Irakkriegen. Warum ist das so? Woher kommt die Gewalt auf beiden seiten? Meißt Weiße aber nicht immer überschreiten ihre Befugnisse. Die Angst vor dem anderen ist tief verankert. Die meißten Amis sind gute Menschen auch wenn sie religiös Verbohrt sind. Ich versteigere mich sogar zu der Aussage, dass die meißten Menschen in den USA nichts anderes wollen wie andere auch auf der Welt. Leider verfolgen die USA eine Strategie zur Lösung ihrer Probleme die diametral gegen andere Länder steht. The land of the free ist eine Schimäre und es gibt immer noch Menschen die daran glauben. Leider! HP
ostatze 28.04.2015
2. Das sind keine Demonstranten
Das sind wildgewordene gang Mitglieder die die Situation ausnutzen um mal schön Krawall zu machen. Ich habe heute eine Polizei Nachricht gelesen in dem die Gangs (Cribs, Bloods und The Gorilla Family) sich zusammenschließen wollen um Polizisten zu töten. Ich wohne etwa 20minuten von Baltimore und es ist traurig zu sein was ein paar wildgewordene mit der Stadt anrichten. Eins ist klar dem stereotyp afroamerikaner wird damit nicht geholfen....
DorianH 28.04.2015
3.
So langsam frag ich mich, wo das noch endet.....
Pfaffenwinkel 28.04.2015
4. Jackson beklagt
eine "Epedemie der Morde" an Schwarzen. Und ich frage mich, was geht da in den USA nur vor sich?
hotgorn 28.04.2015
5.
Obama verweigert vielen Amerikanern eine Zukunftsperspektive. Eine Spirale der Gewalt ist die Folge.
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