Freddie-Gray-Prozess geplatzt Neue Jury, neuer Richter, neue Verhandlung

Die Geschworenen im Fall des getöteten Afroamerikaners Freddie Gray konnten sich nicht auf ein Urteil einigen; der Richter erklärte den Prozess gegen einen angeklagten Polizisten für gescheitert. Nun beginnt das Verfahren von vorn.

Polizisten vor dem Gericht in Baltimore: Prozess geplatzt
DPA

Polizisten vor dem Gericht in Baltimore: Prozess geplatzt


Der Prozess im Fall des in Polizeigewahrsam gestorbenen Afroamerikaners Freddie Gray ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Das gab Richter Barry Williams am Mittwoch in Baltimore bekannt. Die Geschworenen hatten sich nach mehr als 16-stündigen Beratungen binnen drei Tagen nicht auf ein Urteil einigen können. Die Staatsanwaltschaft kann nun einen neuen Prozess gegen den angeklagten Polizisten William P. anstreben, der Termin soll am Donnerstag festgesetzt werden.

Der Polizist aus der US-Ostküstenstadt stand wegen Totschlags vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, für den Tod des 25-jährigen Gray mitverantwortlich zu sein. Gray war im April in Baltimore festgenommen und von den Beamten im Polizeifahrzeug so malträtiert worden, dass er schwere Wirbelsäulenverletzungen erlitt und später starb.

Ende Mai wurden sechs Polizeibeamte angeklagt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Totschlags. Die Polizisten - drei Weiße und drei Schwarze - erklärten sich alle für unschuldig und müssen sich in getrennten Verfahren verantworten. Der nun gescheiterte Prozess war der erste im Fall Gray, anschließend sollten die Verfahren gegen die anderen beteiligten Polizisten folgen.

Staatsanwältin Janice Bledsoe hatte in ihrem Schlussplädoyer am Montag gesagt, dass P. und seine Kollegen den Polizeitransporter in einen "Sarg auf Rädern" verwandelt hätten. Verteidiger Joseph Murtha sprach dagegen von einer "schrecklichen Tragödie", für die sein Mandant keine Verantwortung trage.

Grays Tod löste in Baltimore heftige Proteste aus. Bei den Unruhen im Frühjahr gingen Autos und Gebäude in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Zwischenzeitlich galt in Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre und die Nationalgarde wurde in die Stadt geschickt.

Wegen der Unruhen gab es Sorgen, ob die Jury unbefangen urteilen kann. Die Verteidigung hatte mehrfach versucht, den Prozess in eine andere Stadt verlegen zu lassen. Sie hatte argumentiert, dass ein faires Verfahren nach den Unruhen in Baltimore nicht möglich sei.

Die Stadt Baltimore hat sich mit Grays Familie auf die Zahlung einer Entschädigung von 6,4 Millionen Dollar geeinigt.

sun/AFP/dpa

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