Bamberg 17-Jähriger soll Seniorin Sterbehilfe geleistet haben

Ein 17-Jähriger hat zugegeben, die Bewohnerin eines Pflegeheims im Landkreis Bamberg getötet zu haben - auf ihren eigenen Wunsch hin. Gegen den Praktikanten wird nun wegen Tötung auf Verlangen ermittelt.


Bamberg - Zur Tatzeit absolvierte der 17-Jährige, der im September eine Ausbildung zum Altenpfleger beginnen wollte, ein Praktikum in einem Seniorenheim im Landkreis Bamberg. Mehrfach soll ihn eine Patientin gebeten haben, Sterbehilfe zu leisten, berichtete der junge Mann. Jetzt gab er zu, dem Wunsch der Bewohnerin Folge geleistet und sie getötet zu haben. Dies bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag.

Die Ärzte hatten nach dem Tod der Frau Ende Juni zunächst Altersschwäche als Ursache vermutet. Die Frau sei hochbetagt und bettlägerig gewesen, habe aber an keiner akuten Krankheit gelitten, sagte der Bamberger Oberstaatsanwalt Bernd Lieb am Montag. In seinem Praktikum hatte der 17-Jährige keine unmittelbaren Pflegeaufgaben. "Aber er hatte ständig mit der Frau im Rahmen der Betreuung zu tun", so Lieb.

Nach der Tat habe sich der junge Mann Freunden anvertraut - daraufhin habe man Nachforschungen angestellt. Die Obduktion habe dann bestätigt, dass die Frau eines unnatürlichen Todes gestorben sei, sagte Lieb. Die genaue Todesursache wollte die Staatsanwaltschaft mit Rücksicht auf das jugendliche Alter des Beschuldigten nicht bekanntgeben. Gegen den 17-Jährigen werde nun wegen Tötung auf Verlangen ermittelt. Er sei in einer geschlossenen Jugendhilfeeinrichtung untergebracht.

Für die Staatsanwaltschaft Bamberg sei nach wie vor offen, ob nicht doch ein gezieltes Tötungsdelikt vorliege, erläuterte die Anklagebehörde. Hier seien weitere Ermittlungen notwendig - es müssten etwa Menschen befragt werden, die mit der Frau Kontakt hatten.

Während der 17-Jährige in dem Altenheim arbeitete, habe es dort "eine geringfügige Anzahl weiterer Todesfälle" gegeben, sagte Lieb weiter. Mittlerweile habe die Staatsanwaltschaft aber festgestellt, dass die anderen Verstorbenen eines natürlichen Todes starben.

Auf einen Haftbefehl gegen den jungen Mann verzichtete die Staatsanwaltschaft. Anklage wird Lieb zufolge voraussichtlich in vier Monaten nach Abschluss der Ermittlungen erhoben.

Für die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist dieser mutmaßliche Akt der Sterbehilfe kein Einzelfall. "So leicht wie in Pflegeheimen kann nirgendwo getötet werden. Dies ist seit Jahren bekannt. Der Tod gehört dort zum Alltag und fällt nicht mehr auf. Der Gesetzgeber ist dringend gefordert", sagte der Stiftungsvorsitzende Eugen Brysch. Todesfälle in Pflegeheimen müssten genau untersucht werden. Mit einer gesetzlich vorgeschriebenen amtsärztlichen Leichenschau könnten unnatürliche Todesursachen erkannt werden.

ala/dpa/dapd



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