Ausschreitungen in Bamberger "Ankerzentrum" Polizei wirft Flüchtlingen Tötungsabsicht vor

Die Behörden in Bayern ermitteln gegen mehrere Bewohner eines "Ankerzentrums". Sie werden der besonders schweren Brandstiftung sowie versuchter Tötungsdelikte verdächtigt.

Einsatzkräfte am Ankerzentrum in Bamberg
DPA

Einsatzkräfte am Ankerzentrum in Bamberg


Bei Ausschreitungen im Bamberger "Ankerzentrum" sollen mehrere Männer in Tötungsabsicht auf Polizisten losgegangen sein, wie die Ermittler mitteilten. Den vier Hauptverdächtigen werde auch besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.

Die Männer aus Eritrea sollen am frühen Morgen mit weiteren Bewohnern des Heims Sicherheitsmitarbeiter und Polizisten angegriffen und sich verbarrikadiert haben. Zudem sollen sie in einer Wohnung ein Feuer gelegt haben. Die vier Hauptverdächtigen sollen am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Ein Polizist musste demnach behandelt werden, weil er den Ermittlern zufolge von einem Verdächtigen mit einer Metallstange angegriffen worden war. Zehn Bewohner des "Ankerzentrums" wurden ebenfalls verletzt, darunter die insgesamt neun Tatverdächtigen. Sie erlitten überwiegend Rauchvergiftungen. Bei dem Feuer entstand ein Sachschaden von rund 100.000 Euro.

Auslöser des Einsatzes gegen ein Uhr nachts war nach Polizeiangaben eine Ruhestörung. Die ersten Streifenbeamten seien dann beim Eintreffen mit Pflastersteinen und anderen Gegenständen beworfen worden. Zahlreiche Einsatzkräfte kamen hinzu und umstellten das Gebäude.

Wegen des Brands flüchteten die Bewohner. Die Beamten hätten acht Flüchtlinge schnell vorläufig festgenommen. "Einen weiteren, zunächst flüchtigen Tatverdächtigen überwältigten Spezialeinsatzkräfte kurze Zeit später in einem Nachbargebäude", hieß es von den Ermittlern.

Im Laufe des Vormittags hätten Polizisten dann die Gebäude durchsucht. Bei den Kontrollen seien Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt sowie mutmaßliches Diebesgut entdeckt worden.

Anfang August waren in Bayern sieben Transitzentren oder Erstaufnahmeeinrichtungen in sogenannte Ankerzentren umgewandelt worden. In jedem Regierungsbezirk gibt es nun eine solche Einrichtung. Die zentralen Flüchtlingsheime sollen Asylverfahren von Migranten beschleunigen, die voraussichtlich kein Bleiberecht haben. Die Wohneinrichtung in Bamberg bietet Platz für bis zu 3400 Menschen, momentan wohnen dort nach Angaben der Polizei rund 1250 Asylbewerber.

Kritiker von zentralen Flüchtlingsheimen sagen, dass die Zusammenlegung von großen Gruppen von Asylbewerbern Zwischenfälle begünstigen. Der Bayerische Flüchtlingsrat spricht von menschenunwürdigen Bedingungen in Sammeleinrichtungen und fordert die "Schließung der Abschiebelager".

bbr/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.