Prozess wegen rassistischer Anschlagspläne Mutmaßlichen Neonazis drohen lange Freiheitsstrafen

Sie sollen der verbotenen "Weisse Wölfe Terrorcrew" angehört und Ängste vor einem Anschlag geschürt haben: In Bamberg hat der Prozess gegen vier mutmaßliche Neonazis begonnen.

Angeklagter im Landgericht Bamberg
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Angeklagter im Landgericht Bamberg


Vor dem Landgericht Bamberg hat der Prozess gegen vier mutmaßliche Ex-Mitglieder der rechtsradikalen Organisation "Weisse Wölfe Terrorcrew" begonnen. Die drei Männer und eine Frau sind unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Straftaten wie Körperverletzung, Vergehen nach dem Sprengstoffgesetz oder Störung des öffentlichen Friedens angeklagt.

Unter anderem sollen sie mit einem Anschlag auf eine Asylbewerberunterkunft gedroht haben. Das Quartett soll in unterschiedlicher Beteiligung zudem verbotene Pyrotechnik im Internet bestellt haben. Den Angeklagten drohen mehrjährige Haftstrafen.

Den Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, sich als Mitglieder im Führungszirkel der Sektion Bayern-Franken der "Weissen Wölfe Terrorcrew" radikalisiert zu haben. Ihr Ziel sei es gewesen, politisch linke Menschen und Gruppierungen sowie Ausländer zu bekämpfen. Zwei Angeklagte sollen gegenüber einem Wachmann mit einem Angriff auf eine Bamberger Asylunterkunft gedroht haben.

"Eine große Klappe" - ganz normal?

Sie nahmen dabei laut Anklage Bezug auf die Ereignisse im Rostocker Ortsteil Lichtenhagen im August 1992: Anwohner und Neonazis hatten damals unter dem Applaus Tausender Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter angegriffen. Den Angeklagten sei es darauf angekommen, Ängste vor einem Angriff und insbesondere vor einem Brandanschlag zu schüren, sagte Staatsanwalt André Libischer.

Ein 26-jähriger Angeklagte räumte die Vorwürfe gegen ihn größtenteils ein. Er habe sich als Mitglied der "Weisse Wölfe Terrorcrew" an einer Schlägerei beteiligt und verbotene Pyrotechnik bestellt, ließ er seinen Verteidiger erklären. Die Gruppe habe er aber vor allem für eine Fangruppe der Rechtsrock-Band "Weisse Wölfe" gehalten. Er habe die Gruppe zudem gleich nach seiner Festnahme im Oktober 2015 verlassen.

Ein 32-jähriger Mitangeklagter sagte, er habe von Straftaten nichts gewusst - "eine große Klappe" sei in der Gruppe normal gewesen. Ein dritter Angeklagter schwieg, die 39-jährige Frau machte nur Angaben zu ihrer Person.

Für den Prozess sind bis Ende Januar 2019 weitere 26 Verhandlungstage angesetzt. Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die "Weisse Wölfe Terrorcrew" 2016 verboten.

mxw/dpa/AFP

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