Bandenmäßiger Betrug Scientology Frankreich muss 600.000 Euro zahlen

Ein Pariser Berufungsgericht hat ein Urteil wegen bandenmäßigen Betrugs gegen zwei Einrichtungen von Scientology bestätigt. Die umstrittene Organisation muss mehr als eine halbe Million Euro Strafe zahlen. Auch führende Mitglieder wurden verurteilt.


Paris - Scientology ist in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs zu 600.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Ein Pariser Berufungsgericht bestätigte eine entsprechende Entscheidung aus erster Instanz gegen zwei wichtige Einrichtungen der umstrittenen Organisation. Scientology kündigte umgehend Einspruch und den Gang vor den obersten Gerichtshof an.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich die Unterorganisationen - das in Paris ansässige Celebrity-Zentrum und seine Buchhandlung - mit illegalen Mitteln bereichert hatten. Sie sollen unter anderem in den neunziger Jahren eine Frau dazu verleitet haben, in kurzer Zeit rund 21.000 Euro für Bücher, Medikamente und Kurse zur Lebensbewältigung auszugeben.

Neben Scientology bestrafte das Gericht auch mehrere Mitglieder. Zwei Führungspersonen bekamen je eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung und müssen 30.000 Euro Geldstrafe zahlen.

Das betroffene Celebrity-Zentrum bezeichnete das Verfahren als Schauprozess und die Urteile als vollkommen verfehlt und ungerecht. Die Rechte der Verteidigung seien in mehreren Fällen nicht geachtet worden.

"Das ist eine historische Entscheidung", sagte Olivier Morice, der Anwalt der Anti-Sekten-Organisation Unadfi. Seiner Meinung nach ist das Urteil nur der Beginn eines Weges, der zum Verbot von Scientology führen könnte.

Scientology wurde 1954 von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard in den USA gegründet. Die Organisation hat ihre Zentrale in Los Angeles und bezeichnet sich selbst als Kirche. Die Bundesregierung sieht Scientology dagegen nicht als Religionsgemeinschaft an. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes enthält die scientologische Programmatik "zahlreiche tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen und für das Ziel der Errichtung einer totalitären Staatsordnung und einer Willkürherrschaft."

hut/dpa/AFP



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