Straftaten im Rockermilieu Bayerische Polizisten sollen Akten gefälscht haben

In Bayern bahnt sich nach SPIEGEL-Informationen ein Justizskandal an, der womöglich bis ins Innenministerium reicht. LKA-Beamte sollen Akten gefälscht haben, um ihr Wissen über Straftaten von Rockern zu verschleiern.

Bayerisches Landeskriminalamt in München: Ermittlungen gegen drei LKA-Beamte
imago

Bayerisches Landeskriminalamt in München: Ermittlungen gegen drei LKA-Beamte


Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt gegen mindestens drei Mitarbeiter des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) wegen Strafvereitelung im Amt. Sie sollen in mehreren Fällen über einen V-Mann von Straftaten im Rockermilieu erfahren und diese vertuscht haben. Dabei geht es sowohl um Straftaten, die der V-Mann selbst beging, als auch um Straftaten, von denen er berichtete.

Dem SPIEGEL liegt ein Ermittlungsbericht der Kriminalpolizei Nürnberg vor, der die LKA-Beamten bezichtigt, Akten gefälscht zu haben, um ihr Wissen über Straftaten im In- und Ausland zu verschleiern. Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.

Die LKA-Leute beteuerten zwar, den V-Mann nie ins Ausland geschickt und nie vorab von dessen Straftaten gewusst zu haben. Doch das stimmt offensichtlich nicht, wie die Ermittlungen zeigen. Zum Beispiel in einem Fall aus dem Jahr 2011: Der V-Mann meldete, Bandidos hätten vor, in Dänemark Minibagger zu klauen. Er erhielt, das zeigen die Akten, "die Anweisung" mitzufahren. In der ursprünglichen V-Mann-Akte war von einer "Unterschlagung" der Bagger die Rede. Doch in einer späteren Version war davon nichts mehr zu lesen. "Offenkundig", so die Kripo Nürnberg, habe das LKA sein Wissen um eine bevorstehende Straftat "nachträglich verschleiert".

Die Akten enthalten zudem Hinweise darauf, dass der spätere Prozess gegen den V-Mann politisch beeinflusst worden sein könnte. Dessen V-Mann-Führer beim LKA ist mit einer CSU-Politikerin aus Unterfranken verheiratet. Deren Bezirksvorsitzender wiederum ist Staatssekretär im Innenministerium - und ließ die V-Mann-Akte für den Prozess sperren.

Wurde bis hinauf zur Staatsregierung gemauschelt? Zumindest entdeckten die Ermittler ein Dokument des V-Mann-Führers, in dem dieser schrieb, seine Frau habe schon mit Parteifreunden gesprochen.

Innenministerium und LKA wollten sich zu den laufenden Ermittlungen nicht näher äußern.

Logo SPIEGEL

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Den digitalen SPIEGEL finden Sie in den Apps für iPhone/iPad, Android, Windows 8, Windows Phone und als Web-App im Browser.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
holy10 12.11.2015
1. Da ist er wieder
Der bayerische Filz. Leseempfehlung: Die deutsche Mini-Bananenrepublik. http://www.stern.de/politik/deutschland/filz-und-kungelei-bayern--die-deutsche-mini-bananenrepublik-3208092.html
tailspin 12.11.2015
2. In Daenemark Minibagger klauen?
Auf sowas abstruses muss man erst mal kommen. Was haben Bayern damit zu tun? Das ist ohnehin noerdlich vom Weisswurst-Aequator und Lichtjahre jenseits vom bayrischen Ereignishorizont. Damit aus bayrischer Sicht irrelevant und thematisch sowie geographisch vertuschungswuerdig. Also, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.
xyunbekannt0001 12.11.2015
3. anders gehts wohl nicht....
die polizei obliegt dem legalitätsprinzip. wer würde schon mit der polizei zusammenarbeiten, wenn er kurz darauf vor gericht stehen würde oder seine leute ihn als verräter identifizieren könnten.
gigi76 12.11.2015
4. Amigos
Ich hatte immer grossen Respekt vor Rockern, aber Minibaggerdiebstahl in Dänemark? Da hat die Olsenbande mehr drauf und die hat sich schon immer lächerlich gemacht.
ackergold 12.11.2015
5.
Justizskandale in Bayern? Reicht bis ins Innenministerium? Tja, Entschuldigung, aber was soll daran bitte jetzt neu und sensationell sein bei uns in Bayern? Das haben wir jeden Tag und das können wir mit offenen Augen tagtäglich sehen. Also, nicht weiter drüber aufregen. Der Normalfall ist nicht erwähnenswert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.