NSU-Prozess Zschäpe zeigt ihre Anwälte an

Neue Eskalation im Streit zwischen Beate Zschäpe und ihren Anwälten: Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess hat Anzeige gegen drei ihrer Pflichtverteidiger erstattet.

Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.l.), Anwälte Sturm und Heer (Archiv): Zerrüttetes Verhältnis
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Angeklagte Beate Zschäpe (2.v.l.), Anwälte Sturm und Heer (Archiv): Zerrüttetes Verhältnis


Der Zwist zwischen Beate Zschäpe und ihren Altverteidigern Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer geht in eine neue Runde. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess hat die drei Anwälte angezeigt.

Das Schreiben sei an diesem Freitag bei der Staatsanwaltschaft München I eingegangen, teilte der Sprecher der Behörde, Thomas Steinkraus-Koch, mit. Der Vorwurf lautet demnach auf Verletzung der anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht. Die Anzeige werde nun geprüft, sagte der Sprecher. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, sei noch offen.

"Die Vorwürfe sind haltlos", sagte Wolfgang Stahl SPIEGEL ONLINE. Welche Folgen die Anzeige für den seit mehr als zwei Jahren laufenden NSU-Prozess hat, ist noch nicht abzusehen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bezichtigt Zschäpe ihre Verteidiger, gegen Paragraf 203 des Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Es geht also um die Verletzung von Privatgeheimnissen. Konkret bezieht sie sich auf eine dienstliche Erklärung des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl, der am Montag im Prozess über ein Gespräch des Senats mit der Zschäpe-Verteidigung berichtet hatte. Vorangegangen war ein Entpflichtungsantrag der Angeklagten gegen ihre Anwältin Anja Sturm.

Zerrüttetes Verhältnis

In dem Gespräch zwischen dem Gericht und den Verteidigern soll Anwalt Wolfgang Heer geäußert haben, man habe Zschäpe nicht verboten, in der Verhandlung Angaben zu machen. Zschäpes neuer Verteidiger Mathias Grasel hatte sich an diesen Informationen im Prozess gestört. Er gab an, seine Mandantin habe nichts von den Gesprächen zwischen den Richtern und den drei alten Verteidigern gewusst. Es führe "naturgemäß zu Befremden", dass über eine angebliche Aussagebereitschaft gesprochen worden sei, sagte er.

Am Dienstag beantragte Zschäpe dann die Entpflichtung von Heer - darüber hat das Gericht bislang nicht entschieden. Zuvor hatten ihre Altverteidiger Heer, Stahl und Sturm den Antrag gestellt, von ihrem Mandat entpflichtet zu werden. Das Gericht lehnte dies ab - nach stundenlanger, teils chaotischer Debatte.

Das Vertrauen Zschäpes zu den drei Verteidigern, die sie seit Prozessbeginn vertreten, gilt seit längerer Zeit als belastet. Die 40-Jährige muss sich in dem Prozess für die zehn Morde verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" vorwirft.

wit/jdl/AFP

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