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Bekennervideo der Zwickauer Zelle: 15 Minuten Sadismus

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Es ist ein zynisches Dokument des Triumphes: In einem 15 Minuten langen Film feierten die rechtsextremistischen Terroristen aus Zwickau ihre Verbrechen, verhöhnten ihre Opfer, spotteten über machtlose Ermittler. Die Aufnahmen, die SPIEGEL ONLINE zum ersten Mal im Netz zeigt, belegen: Die Neonazis fühlten sich unangreifbar.

DER SPIEGEL

Hamburg - Es gibt diese Szene, 10 Minuten und 38 Sekunden Wahnsinn sind schon vorbei, da zündet Paulchen Panther eine Rakete, die er auf dem Rücken trägt, die Musik im Hintergrund ist heiter und beschwingt, und auf dem Geschoss, das Paulchen mit einer Zündschnur in die Luft jagt, steht: "Bombenstimmung in der Keupstraße".

In der Kölner Keupstraße, auch das legt das Bekennervideo der Zwickauer Zelle nahe, zündeten die Neonazis im Juni 2004 offenbar eine Nagelbombe. Videoausschnitte des Nachrichtensenders NTV sind in den Paulchen-Panther-Clip montiert. Das Foto eines Fahrrades, das die Täter benutzten und mit dem die Polizei nach den Verdächtigen fahndete. "Er ahnt ja nicht, dass wir schon wissen, dass hinter beiden Ärgernissen der rosarote Panther steckt, der wieder mal was ausgeheckt, das bösen Leuten Kummer macht und über das der Gute lacht", sagt die Stimme aus dem Off, es ist wohl die geschickt montierte Originalvertonung der Zeichentrickserie, gesprochen von Gert Günter Hoffmann. Dazu Ausschnitte des Westdeutschen Rundfunks, die zeigen, wie Verletzte blutüberströmt nach dem Anschlag in Köln von Rettungssanitätern versorgt werden.

Genau 15 Minuten dauert das Bekennervideo, das Ermittler in den Trümmern des zerstörten Hauses in Zwickau fanden und das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Sehen Sie hier Ausschnitte des Bekennervideos und hier den Beitrag von SPIEGEL TV zum Thema. Paulchen Panther führt durch den Film, er erlebt allerlei Wundersames, während immer wieder die Fernseh- und Zeitungsausschnitte eingeblendet werden. Die Botschaft ist unmissverständlich: Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe haben die Medien zu ihren Komplizen gemacht - lange bevor die von der Existenz des mordenden, rechtsextremen Trios wussten.

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4  Bilder
Bekennervideo: Paulchen Panther und Propaganda
Die Macher des Videos laben sich an ihrem Wissen - und der Unwissenheit der anderen. Sie ergötzen sich am Leid der Opfer, die teilweise unmittelbar nach den Taten gezeigt werden. Die Täter scheinen sich daran zu weiden, dass nur sie den eigenen Plan kennen, Hunderte Fahnder dagegen im Dunkeln tappten.

Außer der Paulchen-Panther-Figur gibt es keinen Sprecher, der das Geschehen einordnet, die Geschichte entfaltet ihre beklemmende Wirkung durch den Kontrast zwischen Gesagtem und Gezeigtem.

Der Grundsatz: Taten statt Worte

Auf den ersten Blick wirkt der Film banal, doch die technische Montage ist hochprofessionell. Einzelne Bilder werden ausgeschnitten, neu zusammengefügt, Proportionen angepasst, dreidimensionale Elemente programmiert. Die Machart des Films zeugt von besonderer Akribie und Detailverliebtheit: Offenbar war den Machern die Rezeption ihres Werks wichtig, zumindest handwerkliche Fehler wollten sie sich nicht nachsagen lassen. In den Film wurde, so viel steht fest, viel Zeit investiert. Fertiggestellt wurde er offenbar schon Ende Dezember 2007, entsprechende Daten finden sich auf der DVD. Aus Sicherheitskreisen wurde SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass der Film wahrscheinlich schon damals produziert wurde.

Der Inhalt zeugt vom Zynismus der rechten Zelle: Die Opfer werden nicht nur getötet, sie werden noch im Tod verhöhnt, die Taten durch den Film gefeiert. Das erste Bild des Filmes zeigt eine Tafel, eine Art Präambel, es bleibt die einzige Erklärung. "Der Nationalsozialistische Untergrund ist ein Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz 'Taten statt Worte'. Solange sich keine grundlegenden Änderungen in der Politik, Presse Polizei und Meinungsfreiheit vollziehen, werden die Aktivitäten weitergeführt."

Die Botschaft ist eindeutig: Die Macht geht von den Taten aus, nicht von Worten. Es braucht keine Erklärungen, wie sehr die Täter Ausländer verabscheuen, es reichen Bilder der neun getöteten ausländischen Kleinunternehmer. "Aktion Dönerspieß" nennen die Täter das und zeigen eine Montage der Getöteten mit Nägeln im Kopf.

Wie mussten sich die Täter fühlen? "Wie die absoluten Supermänner"

"Das ist die sadistische Seite gestörter Persönlichkeiten", sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. " Nationalsozialismus hat immer eine sadistische Seite." Empathie stünde demnach nur dem Ziel der Vereinigung entgegen: Wer mitfühlt, mordet weniger leichtfertig. "Das Trio konnte effizienter morden, weil die Propaganda zweitrangig war." Mit anderen Worten: Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe riskierten gar nicht erst, durch Bekennerschreiben aufzufliegen. "Sie ergötzten sich an der Propaganda der Tat."

Und die haben sie in dem Video gefeiert. Die Wirkung wurde mitkalkuliert, die Reaktion der Medien miteinbezogen - unmittelbar nach den Taten und nun, nach der Veröffentlichung.

"Auf den ersten Blick sind die Bilder verstörend", sagt Jan Schedler über das Video. "Für diejenigen in der Szene sind sie üblich." Der 34-Jährige forscht an der Ruhr-Universität Bochum zur extremen Rechten und Autonomen Nationalisten. Videos wie der Bekennerfilm der braunen Zelle zielten darauf ab, "die Verachtung für die Opfer klarzumachen". Die Comic-Ästhetik, das Lustige, bedeute eine Verharmlosung der Taten - und eine Botschaft an die Ermittler, die jahrelang erfolgreich an der Nase herumgeführt wurden.

Martin Dietzsch vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung sagt, "die Forderungen sind äußerst dürftig - bis auf die Forderung nach grundlegenden Änderungen in Politik, Presse und Meinungsfreiheit gibt es nichts. Konkretes, etwa die Forderung, Gesinnungsgenossen freizulassen, fehlt völlig."

In der Art der Präsentation sieht Dietzsch ein Zeichen möglichen Übermutes. "Wie mussten sich die Täter nach den katastrophalen Ermittlungsergebnissen der Polizei - beim Polizistenmord, bei den Döner-Morden und bei den Banküberfällen - fühlen? Wie die absoluten Supermänner. Die müssen den Eindruck gehabt haben, dass sie den Ermittlungsbehörden haushoch überlegen sind."

Die entscheidende Botschaft aber richtet sich an andere mögliche Opfer: "Man tötet einen und verunsichert Millionen", sagt Schedler. So drückten die Täter ihre Verachtung für Migranten aus: "Ihr könnt genauso Opfer werden."

"Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage", heißt es am Ende des Films - wie auch im Abspann der Paulchen Panther-Filme. Eine schauerliche Drohung.

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Forum - Wurde der Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
insgesamt 2160 Beiträge
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1. Ja
hoffnungsvoll 12.11.2011
Zitat von sysopNach aktuellen Fahndungsergebnissen geht die Bundesanwaltschaft inzwischen davon aus, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung steckt. Wurde dieser Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
Menschenverachtung ist Teil jeder rechtsradikalen Idee. Darum muss mit allem gerechnet werden, wenn der Mop sich organisiert. Gewalttaten gehörten immer dazu und werden es auch in Zukunft.
2. Wurde der Rechtsextremismus
wurzelei, 12.11.2011
Erst exakt ermitteln, dann bewerten!
3. ach ja
ALG III 12.11.2011
Zitat von sysopNach aktuellen Fahndungsergebnissen geht die Bundesanwaltschaft inzwischen davon aus, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung steckt. Wurde dieser Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
Den Rechtsextremismus kann man gar nicht unterschätzen. Er stellt immer eine Gefahr für die ganze Gesellschaft dar. Menschen, die rechtsextremem Gedankengut anhängen, kennen kein Pardon und sind zu allem fähig. Magda Goebbels brachte im April 1945 alle ihre blonden Kinder um, weil sie glaubte, daß ein Leben nach dem Dritten Reich sowieso nicht lebenswert sei. Das war natürlich ein Irrtum, wenn man an den dicken Erhardt mit seinen fetten Zigarren denkt. Selbst eingefleischte Nazis hatten unter Adenauer wieder Spaß am Leben. Wenn wir Rechtsextremismus verhindern wollen, dann sollten wir allen menschen einen Mindestlohn bzw. einen auskömmlichen Regelsatz garantieren. Schleichende Armut begünstigt politischen Radikalismus und führt letztlich zu Gewalt. Ich sage nichts Neues. Aber man kann ja hin und wieder an alte Weisheiten erinnern.
4. Hat in Deutschland Tradition
Websingularität 12.11.2011
Zitat von sysopNach aktuellen Fahndungsergebnissen geht die Bundesanwaltschaft inzwischen davon aus, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung steckt. Wurde dieser Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
Sagen wir es mal so, die Ermittler sind auf dem rechten Auge blind. Ich wette, das rechte Gedankengut findet man in den höchsten Ebenen & Instanzen, Polizeirat, Politik, etc. Selbst in den etablierten Parteien. Randparteien wie NPD sind nur Lockvogel zur draufhauen.
5. Xenophobie gibt es bei Arm und Reich
cycokan, 12.11.2011
Zitat von ALG IIIDen Rechtsextremismus kann man gar nicht unterschätzen. Er stellt immer eine Gefahr für die ganze Gesellschaft dar. Menschen, die rechtsextremem Gedankengut anhängen, kennen kein Pardon und sind zu allem fähig. Magda Goebbels brachte im April 1945 alle ihre blonden Kinder um, weil sie glaubte, daß ein Leben nach dem Dritten Reich sowieso nicht lebenswert sei. Das war natürlich ein Irrtum, wenn man an den dicken Erhardt mit seinen fetten Zigarren denkt. Selbst eingefleischte Nazis hatten unter Adenauer wieder Spaß am Leben. Wenn wir Rechtsextremismus verhindern wollen, dann sollten wir allen menschen einen Mindestlohn bzw. einen auskömmlichen Regelsatz garantieren. Schleichende Armut begünstigt politischen Radikalismus und führt letztlich zu Gewalt. Ich sage nichts Neues. Aber man kann ja hin und wieder an alte Weisheiten erinnern.
Na, nee. Dass es einen gewissen Zusammenhang gibt, zwischen Radikalismus und sozialer Situation, will ich ja nicht bestreiten. Aber Ausländer aus Rassenhass per Kopfschuss exekutieren und Bomben legen, dass hat ja wohl eine besondere, über politische Radikalität hinausgehende Dimension. Dafür muss man erstens Extremist sein und 2. zusätzlich eine schwere Persönlichkeitsstörung haben. Und so etwas wird, mMn, eher weniger durch Armut angelegt, ich glaube nicht, dass die betreffende 3er Gruppe Unterschichtkinder waren. Und ich glaube auch nicht, dass der latente Fremdenhass, in so mancher Familie, an so manchem Stammtisch, ein Armutsproblem ist. Meine Erfahrung ist eher, dass manche gutsituierte Ober- und Mittelklasse Menschen offen, und noch viel mehr erst nach dem xten Bier, schier unglaublich rücksichtslose fremdenfeindliche Sprüche vom Stapel lassen. Und in jedem Ortsverband der FDP, der CDU, selbst der SPD, gibt es Menschen, die zu gewissen Fragen am liebsten die ganz einfachen Antworten hören wollen und das auch dumm laut verkünden, auch hier, umso mehr, je höher der Alkoholspiegel. Kampagnen gewisser Medien greifen diese latente Stimmung auf und befördern sie zusätzlich. Das es dann bei sozialschwachen dummen Jungs aus strukturschwachen Gebieten besondere Auswüchse gibt, mag sein. Aber das Finanzielle ist nicht der Auslöser. Klar, irgendwo im tiefen Osten auf dem Land, keine Arbeit, die schlauen jungen Männer und alle Frauen haben sich längst in die Städte oder den Westen verabschiedet, übrig geblieben die eher weniger begabte männliche Jugend und ein paar Rentner, da fehlen wichtige soziale Bande und Banden. Vor allem eben keine Freundin, keine eigene Familie, was in aller Regel den Testosteron Haushalt unter Kontrolle hält und Gelegenheit gibt Verantwortung zu tragen und Empathie fördert, genauso aber auch fehlende politische Gegner, die haben sich längst bedroht, aber auch gelangweilt nach Berlin verdrückt und fehlende Ausländer, die gibt es dort ja kaum, als Kontrolleure und Widersacher fehlen. Und der Dorfbulle, der ist oft selbst so ein frustrierter Law and Order Typ, der für die große Karriere offenbar nicht geeignet war, sonst wäre er woanders.
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Zwickauer Zelle: Was konnten die Behörden wissen?


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Neue Spuren: Döner-Morde - Spur im rechtsextremen Milieu
Neonazi-Mordserie
9. September 2000 - Enver S.
Das erste Opfer war der Blumenhändler Enver S., 38, aus dem hessischen Schlüchtern. Er stand mit seinem Verkaufswagen am Vormittag des 9. September 2000 an einer Ausfallstraße in Nürnberg-Langwasser. S. vertrat einen Kollegen, der an diesem Tag Urlaub genommen hatte. Am Nachmittag fand man S. im Transporter, von Kugeln durchsiebt.
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Süleyman T., 31, wurde nur wenige Tage später, am 27. Juni 2001, von seinem Vater gefunden. Der Obst- und Gemüsehändler arbeitete im eigenen Laden in Hamburg-Bahrenfeld. Kurz hintereinander hatte man ihm mit zwei Waffen - eine war die Ceska - dreimal in den Kopf geschossen.
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Am 29. August 2001 starb Habil K. durch zwei Kopfschüsse in seinem Gemüsegeschäft in München-Ramersdorf. Passanten glauben, sie hätten einen ausländisch aussehenden Mann mit Schnurrbart weglaufen und in ein dunkles Auto steigen sehen. Er wurde nie gefunden.
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Am Morgen des 25. Februar 2004 bekam der 25-jährige Yunus T. in einem Rostocker Dönerstand Besuch. Wieder war es ein Kopfschuss, wieder aus der Ceska. Bis heute ist unklar, ob T. verwechselt wurde. Er lebte erst seit ein paar Tagen in Rostock und war an diesem Morgen zufällig als Erster an der Bude.
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Am 9. Juni 2005 wurde Ismail Y., 50, mit gezielten Schüssen in seinem Dönerstand an der Scharrerstraße in Nürnberg getötet. Bauarbeiter sahen zwei Männer: Sie stellten ihre Fahrräder direkt vor Y.s Stand ab, gingen hinein, kamen rasch zurück und steckten eilig einen Gegenstand in den Rucksack. Das Duo wurde nie gefunden.
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4. April 2006 - Mehmet K.
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