Großeinsatz in Berlin 500 Polizisten sichern ein einziges Haus

In Berlin wird ein Polizist beim Knöllchenschreiben angegriffen und verletzt. Die "linksextremistischen Tatverdächtigen" fliehen in ein Haus im Bezirk Friedrichshain - am Abend rücken dort 500 Beamte zur Durchsuchung an, darunter auch das SEK.

DPA

Die Berliner Polizei hat im Stadtteil Friedrichshain einen Großeinsatz mit 500 Polizisten durchgeführt, um ein Hausprojekt in der Rigaer Straße zu durchsuchen. Damit reagierten die Beamten auf eine Attacke auf einen Polizisten am Mittwochmittag.

Wie die Polizei Berlin mitteilte, wollte der Beamte gegen 12 Uhr einen Strafzettel wegen Falschparkens ausstellen, als sich ihm ein maskierter Mann näherte. Der 52-jährige Polizist habe den Ausweis des Maskierten sehen wollen. In diesem Moment seien zwei weitere Männer und eine Frau auf ihn losgestürmt.

Der Beamte sei zu Boden gestürzt, geschlagen und getreten worden. Sein Versuch, einen der Täter festzunehmen, sei gescheitert. Nach Polizeiangaben hatte der 52-Jährige keine Schutzkleidung getragen, er wurde verletzt. Die vier Angreifer seien in das Haus in der Rigaer Straße geflüchtet. Es werde wegen Widerstandes, gefährlicher Körperverletzung und Gefangenenbefreiung ermittelt.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) berichtete über den Vorfall, sie schrieb von vier "linksextremistischen Tatverdächtigen". Bei dem Polizisten handelte es sich demnach um einen sogenannten Kontaktbereichsbeamten - sie sind für einen bestimmten Bezirk zuständig, in dem sie tagsüber Streife gehen und bei Problemen Ansprechpartner für die Bewohner sein sollen.

"Dem Versuch der linksextremistischen Szene, in der Rigaer Straße einen rechtsfreien Raum in der Hauptstadt zu schaffen, ist entschieden entgegenzutreten", forderte die GdP.

Als Reaktion auf den Übergriff rückte die Polizei nach Angaben von Sprecher Stefan Redlich am Abend mit 500 Beamten in der Straße an, unter ihnen auch das auf Festnahmen trainierte Spezialeinsatzkommando (SEK). "Wir dulden keine Rückzugsräume für Gewalttäter", sagte Redlich.

Laut einem Bericht des Berliner "Tagesspiegel" hatte die Polizei jedoch keinen Durchsuchungsbeschluss, sie sei zudem nicht davon ausgegangen, dass die Täter noch vor Ort seien. Die "Hausbegehung" erfolge auf der Grundlage des Allgemeinen Sicherheit- und Ordnungsgesetzes. "Wir suchen in dem Haus nach gefährlichen Gegenständen, Steindepots etwa, die Polizisten gefährlich werden könnten", sagte Redlich. Der Kiez an der Rigaer Straße wird dem Bericht zufolge immer wieder zum Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Linksextremisten und der Polizei.

Tatsächlich fanden die Polizisten eigenen Angaben zufolge im Innenhof des Hauses eine große Menge an Steinen in Einkaufswagen und Plastikwannen sowie Eisenstangen und sogenannte Krähenfüße, mit denen Autoreifen beschädigt werden können. "Das war genau das, was wir dort gesucht haben", sagte Redlich. Allerdings sei die Menge überraschend gewesen. Die Polizei habe einige Personalien überprüft, festgenommen wurde jedoch niemand.

sun/aar/dpa

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