Berlin Aus JVA Tegel entflohener Häftling in Belgien gefasst

Hamed M. nutzte einen Attrappen-Trick, um aus einem Berliner Gefängnis zu entkommen: Inzwischen wurde der 24-Jährige in Belgien gefasst - nach einem Diebstahl.

JVA Tegel (Archiv)
DPA

JVA Tegel (Archiv)


Ein aus der der Berliner Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel geflohener ist in Belgien gefasst worden. Der 24-jährige Hamed M. sei dort bereits am 14. Februar, sieben Tage nach seiner Flucht, wegen Diebstahls festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Weil der Mann aber falsche Personalangaben gemacht habe, sei er erst durch einen Fingerabdruckabgleich identifiziert worden.

M. soll nun nach Berlin zurückgebracht werden. Dort saß er seit fast einem Jahr wegen Einbrüchen und räuberischer Erpressung im Gefängnis. Die zwei gegen ihn verhängten Freiheitsstrafe enden erst im September 2022. Zudem ist ein Verfahren wegen bewaffneten Diebstahls anhängig.

Der Ausbruch selbst ist keine Straftat, weil der Gesetzgeber von einem natürlichen Freiheitsdrang des Menschen ausgeht. Bestraft werden hingegen Gewalttaten oder Sachbeschädigungen, die mit vielen Ausbrüchen einhergehen.

M. aber versteckte sich nach bisherigen Erkenntnissen während eines Hofgangs unter einem Lastwagen und wurde bei der Ausfahrtkontrolle nicht entdeckt. Eine Attrappe aus Kissen, Kleidung und Toilettenpapier täuschte dem abends wegschließenden Wärter einen schlafenden Mann in der Zelle vor. So wurde der Ausbruch erst am Folgetag bemerkt.

Ausbruchserie in Berlin

Erst um den Jahreswechsel herum waren vier Strafgefangene aus dem geschlossenen Teil der JVA Plötzensee ausgebrochen sowie innerhalb weniger Tage fünf Männer aus dem offenen Vollzug entwichen. Die Strafgefangenen sind inzwischen zurück in Haft zurück, von der anderen Gruppe ist noch ein Häftling auf der Flucht.

Anfang Januar fahndete die Polizei zudem nach einem Häftling der JVA Tegel, der seinen Freigang wohl eigenmächtig verlängert hatte. Der Mann, ein verurteilter Mörder, kehrte erst mit 16 Stunden Verspätung zurück.

Die Fälle lösten eine Debatte um marode deutsche Haftanstalten aus. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten sieht einen Sanierungsbedarf von 400 bis 500 Millionen Euro bei den Gefängnissen in der Hauptstadt, außerdem fehle Personal.

Im Video: Anarchie in Berliner Gefängnissen

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wit/dpa/AFP



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