Berlin: DDR-Liedermacher Kurt Demmler tot in seiner Zelle aufgefunden

Er saß wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch in Untersuchungshaft: Jetzt fand ein Justizangestellter in Berlin die Leiche des 65-jährigen Musikers Kurt Demmler. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben.

Berlin - Justizsprecher Daniel Abbou sagte am Dienstag, der 65-jährige Künstler sei um 6.20 Uhr erhängt von einem Justizbediensteten in seiner Zelle entdeckt worden. In den vergangenen Tagen habe nichts auf eine Selbstmordabsicht Demmlers gedeutet. Ein Abschiedsbrief sei zunächst nicht gefunden worden.

Tod in der Zelle: Sänger Kurt Demmler
DPA

Tod in der Zelle: Sänger Kurt Demmler

Am heutigen Dienstag um 13 Uhr sollte der Prozess wegen Kindesmissbrauchs gegen Demmler am Berliner Landgericht fortgesetzt werden. Ihm wurde vorgeworfen, sechs Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Insgesamt soll es von August 1995 bis November 1999 zu 212 Übergriffen gekommen sein. Bei seiner Festnahme im August hatte Demmler die Vorwürfe bestritten. Laut Verteidigerin Nicole Bede ist nach dem Freitod ihres Mandanten mit einer Einstellung des Verfahrens zu rechnen.

Zu den Übergriffen soll es in Demmlers Wohnung in Prenzlauer Berg und in seiner Villa in Storkow in Brandenburg gekommen sein. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Musiker seine mutmaßlichen Opfer unter dem Vorwand eines Castings zu sich nach Hause einlud. Demmler war bereits 2002 wegen ähnlicher Delikte zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Demmler war eine anerkannte Größe im Musikgeschäft der DDR. Er schrieb den Nina-Hagen-Hit "Du hast den Farbfilm vergessen" und textete für Karat, die Puhdys, Karussell und die Klaus Renft Combo.

Demmler war zu DDR-Zeiten auch politisch aktiv. Er gehörte zu den Unterzeichnern einer Resolution, mit der Rockmusiker im Herbst 1989 Veränderungen in der DDR forderten. Am 4. November 1989 war Demmler auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin bei der Massendemonstration gegen das SED-Regime aufgetreten.

ala/ddp/dpa

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