Prozess Angeklagter raste aus politischem Frust in SPD-Parteizentrale

Weil er mit Gasflaschen und Benzinkanistern im Kofferraum in die SPD-Parteizentrale raste, steht Frank W. vor Gericht. Zum Prozessstart in Berlin hat sich der Angeklagte geständig gezeigt.

REUTERS


Vor einem knappen Jahr fuhr Frank W. mit einem Auto in die SPD-Parteizentrale. Zum Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Tiergarten hat der 59-Jährige die Tat nun gestanden. Er habe sich umbringen wollen, sagte der Kraftfahrer.

Mit der Aktion habe er ein Zeichen gegen die erzwungene Teilnahme am Mikrozensus, der jährlichen Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik, setzen wollen. "Ich habe mich wie in einem Tunnel befunden", sagte W. Heute sei ihm sein damaliger Entschluss fremd. Es tue ihm leid.

Der Angeklagte hatte Gasflaschen und Benzinkanister im Kofferraum seines Wagens, als er Heiligabend 2017 mit hohem Tempo in den Eingang der SPD-Zentrale in der Wilhelmstraße in Berlin-Kreuzberg fuhr. Zuvor habe er eine Petroleumlampe in seinem Fahrzeug angezündet, heißt es in der Anklage. Der Mann habe eine Explosion herbeiführen wollen. Dazu kam es nicht. W. erlitt eine Platzwunde.

Der Angeklagte erklärte, er habe bei seiner Aktion keine anderen Menschen verletzen und keine Sprengung verursachen wollen. Der Mann gab auch zu, dass er vor der Auto-Attacke eine Tasche mit brennbaren Materialien vor der Bundesgeschäftsstelle der CDU abgestellt habe. Dies sei eine "angetäuschte Aktion" gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-Jährigen unter anderem das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, versuchte schwere Brandstiftung und das Vortäuschen einer Straftat vor.


Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

sen/AFP/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.