Kippa-Träger in Berlin geschlagen Angreifer fordert Entschädigung

Knaan Al S. wurde nach seiner Attacke auf einen Kippa-Träger in Berlin verurteilt. Nun hat er Berufung eingelegt - und fordert eine Haftentschädigung.

Der Angeklagte im Amtsgericht Berlin-Tiergarten (Archiv)
DPA

Der Angeklagte im Amtsgericht Berlin-Tiergarten (Archiv)


Das Berliner Amtsgericht verurteilte Knaan Al S. wegen eines Angriffs mit einem Gürtel auf einen Kippa-Träger in Berlin - jetzt geht der 19-Jährige gegen die Entscheidung vor. Seine Anwältin habe Berufung eingelegt, sagte eine Gerichtssprecherin.

Im April war der 19-Jährige auf zwei Männer losgegangen, die beide eine Kippa trugen. Er schlug einen 21-jährigen Israeli mehrmals mit einem Hosengürtel und beleidigte dessen Freund. Der Israeli filmte die Schläge und stellte die Aufnahme ins Netz.

Facebook/privat/JFDA

Das Video verbreitete sich rasant, der Fall löste große Empörung aus, Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich, Außenminister Heiko Maas und Justizministerin Katarina Barley verurteilten die Tat als "unerträglich", die "Washington Post" und das israelische Fernsehen berichteten.

Der Richter hatte gegen den Angeklagten wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung einen Arrest von vier Wochen verhängt. Zudem wurde er für ein Jahr unter Erziehungsaufsicht gestellt.

Da sich der 19-Jährige zwei Monate in Untersuchungshaft befand, gilt der Arrest als verbüßt. Er ist inzwischen frei. Für die darüber hinaus erlittene Haft von rund fünf Wochen wurde ihm eine Entschädigung versagt. Dagegen legte seine Anwältin Beschwerde ein.

Keine Angst vor Konsequenzen

Knaan Al S. hatte die Schläge mit dem Gürtel zugegeben. Der Palästinenser aus Syrien sagte, er habe zuvor Ecstasy genommen und gekifft. Mit Politik habe er nichts zu tun.

Zudem habe sein Opfer ihn zuerst beleidigt, weshalb er sich im Recht gesehen und keine Angst vor Konsequenzen gehabt habe. Das Gericht sah hingegen antisemitische Motive.

Das Opfer hatte im Gespräch mit dem SPIEGEL den Tathergang anders beschrieben. Demnach ging die Provokation vom Angeklagten aus. Er und sein Begleiter hätten lediglich darum gebeten, in Ruhe gelassen zu werden.

jpz/dpa/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.