Mord im Rockermilieu Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei LKA-Beamte

Drei Polizisten haben den Wettbüro-Mord an Tahir Özbek offenbar bewusst geschehen lassen, um einen Hells-Angels-Boss zu fassen. Gegen die Beamten wird jetzt ermittelt - wegen des Verdachts auf Totschlag durch Unterlassen.

Landeskriminalamt in Berlin
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Landeskriminalamt in Berlin


Viereinhalb Jahre nach einem Mord im Berliner Rockermilieu hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen drei Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) eingeleitet. Es gehe um den Vorwurf des Totschlags durch Unterlassen.

Es sei bekannt gewesen, dass das spätere Opfer, Tahir Özbek, gefährdet gewesen sei. Dennoch sei der Mann nicht gewarnt worden und es habe keinen Plan zur Gefahrenabwehr gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra. Es gebe Anhaltspunkte, dass die Polizei unsauber gearbeitet habe und es zu einer Reihe von Fehlern gekommen sei.

Der Mord an Özbek durch Angreifer aus dem Umfeld der Rockergruppe Hells Angels geschah im Januar 2014. Damals hatten mehrere vermummte Angreifer Özbek in einem Wettlokal im Berliner Stadtteil Reinickendorf überfallen und mit mehreren Schüssen getötet. Seitdem läuft das Hauptverfahren zur Aufklärung des sogenannten Wettbüro-Mords.

Beamte sollen von der "drohenden Tötung" gewusst haben

Schon unmittelbar nach dem Mord hatte die Berliner Staatsanwaltschaft überprüft, ob die Beamten des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) Fehler bei der "Gefährdungsbewertung des späteren Tatopfers" Özbek gemacht hatten. Ermittlungen wurden damals jedoch nicht aufgenommen.

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Den drei Berliner Polizisten wird nun vorgeworfen, den Tod von Ö. in Kauf genommen zu haben, um anschließend gegen die Rockerbande Hells Angels vorgehen zu können. Möglicherweise hatten die Beamten sogar schon "seit Ende Oktober 2013 von einer drohenden Tötung Özbeks durch Personen aus dem Umfeld der Hells Angels" Kenntnis, teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit.

Die Berliner Polizei zeigte sich angesichts der Vorwürfe schwer getroffen und versicherte, das Strafverfahren "vollumfänglich" unterstützen zu wollen. "Wir sehen den Schutz von Leben und Gesundheit als elementaren Bestandteil und Kern unserer Aufgaben an", sagte ein Sprecher. Die betroffenen Beamten würden bis auf Weiteres vom Dienst ausgeschlossen. Ferner kündigte die Polizei an, ein Disziplinarverfahren gegen die LKA-Mitarbeiter einzuleiten.

fek/bbr/dpa/AFP

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