Tödliches Autorennen Berliner Raser stehen wieder vor Gericht

Zwei junge Männer lieferten sich ein Autorennen, ein Unbeteiligter starb. Die Raser wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, doch der BGH kippte das Urteil. Nun hat ein neuer Mordprozess begonnen.

Angeklagte in Berliner Landgericht
FELIPE TRUEBA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Angeklagte in Berliner Landgericht


Rund zweieinhalb Jahre nach einem illegalen Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm wird der Prozess gegen zwei Raser wegen gemeinschaftlichen Mordes neu aufgerollt. Ihnen wird zur Last gelegt, in der Nacht zum 1. Februar 2016 bei dem Rennen einen unbeteiligten 69-Jährigen getötet zu haben.

Die beiden Angeklagten waren im Februar vergangenen Jahres bereits verurteilt worden - es war das bundesweit erste Mordurteil gegen Raser. Das Landgericht verurteilte die zur Tatzeit 24 und 26 Jahre alten Männer zu lebenslangen Freiheitsstrafen und entzog ihnen für immer den Führerschein.

Doch der Bundesgerichtshof (BGH) kippte das Urteil am 1. März dieses Jahres: Er sah einen Vorsatz - der Voraussetzung für ein Mordurteil ist - in dem Berliner Urteil nicht belegt. Deshalb wurden eine neue Beweisaufnahme und eine rechtliche Bewertung angeordnet.

Angeklagte wollen schweigen

Zum Auftakt des neuen Prozesses stellten die Anwälte der beiden Männer klar: Mit einer Aussage ist nicht zu rechnen. Die inzwischen 26 und 29 Jahre alten Angeklagten wollen sich nicht zu den Vorwürfen äußern. So war es auch im ersten Prozess.

Im Saal des Berliner Landgerichts saß der Jüngere, ein früherer Bundeswehrsoldat, fast bewegungslos neben seinen Verteidigern. Ihm fielen immer wieder die Augen zu. Der Ältere grinste wiederholt in Richtung der Zuschauer. Der Raser, der schon mehrere Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten hat, gab sich entspannt.

Er soll in jener Nacht im Februar 2016 mit 160 Kilometern pro Stunde eine rote Ampel überfahren und in der Nähe des Kaufhauses KaDeWe den Jeep eines unbeteiligten Fahrers gerammt haben. Der Geländewagen wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert. Der 69 Jahre alte Fahrer starb noch im Auto.

Tatort Tauentzienstraße in Berlin (Archiv)
DPA

Tatort Tauentzienstraße in Berlin (Archiv)

Nachdem der BGH das erste Gerichtsurteil aufgehoben hatte, muss nun eine andere Kammer den Fall verhandeln. Doch noch bevor die Anklage verlesen wurde, stellte der Verteidiger des jüngeren Rasers einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Peter Schuster. Der Anwalt des Rasers sagte, dass für den Richter eine Verurteilung wegen Mordes schon feststehe. Seine Begründung: Richter Schuster hatte den Angeklagten nicht aus der Untersuchungshaft entlassen.

Über den Befangenheitsantrag muss nun eine weitere Kammer des Landgerichts entscheiden. Schuster setzt die Verhandlung trotz Widerspruchs des Verteidigers nach kurzer Unterbrechung fort.

Der Richter Schuster kündigte in einer Erklärung auch die Prüfung an, ob eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Totschlags in Frage komme. Darauf steht Haft nicht unter fünf Jahren. Beide Männer, die bei dem Zusammenstoß kaum verletzt wurden, sitzen weiter in U-Haft.

Der Prozess war mit Spannung erwartet worden. Der Sohn des Opfers war als Nebenkläger anwesend. Es sei schwer für ihn, ins Gericht zu kommen, sagte der 37-Jährige. Doch er wolle den Prozess weiter verfolgen und auch künftig auf das Schicksal seines Vaters aufmerksam machen. Er warnte: Raser würden mit ihrer Selbstüberschätzung das Schicksal anderer außer Acht lassen. Die Raserei gehe weiter, sie sei Terror auf der Straße.

kmy/dpa

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