Vorfall bei AfD-Ausflug in Berlin Und dann flogen die Biergläser

In Berlin sind AfD-Anhänger während einer Bootsfahrt mit Demonstranten aneinandergeraten. Es sollen auch Biergläser geworfen worden sein, die Polizei ermittelt. Der Reeder äußerte sich kritisch über die Partei.

Oberbaumbrücke in Berlin
DPA

Oberbaumbrücke in Berlin


Die Polizei ermittelt nach einem Vorfall in Berlin unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Laut einer Sprecherin sind Teilnehmer einer Demonstration für Flüchtlinge mit AfD-Anhängern aneinandergeraten. Eine Person wurde demnach leicht verletzt.

Rund 80 Menschen befanden sich der Sprecherin zufolge an Bord eines Ausflugsbootes, darunter der niedersächsische AfD-Bundestagsabgeordnete Armin-Paul Hampel mit einer Besuchergruppe. Das Boot passierte demnach am Mittwoch gegen 19 Uhr die Oberbaumbrücke. Auf der Brücke standen die Teilnehmer einer Demonstration für die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer.

Als sich beide Gruppen begegneten, sollen die AfD-Anhänger nach Polizeiangaben Parolen skandiert haben. Welche, sagte die Sprecherin nicht. Eine Zeugin sagte der "taz", die Anhänger der Partei hätten den Demonstranten den Mittelfinger gezeigt und "AfD, AfD!" gerufen.

Auf dem Rückweg passierte das Boot die Brücke ein zweites Mal. Es seien dann, so erste Erkenntnisse, Bierflaschen von der Brücke auf das Boot geworfen worden, hieß es von der Polizei. Erst dann seien von dem Boot Biergläser auf die Demonstranten geworfen worden.

Kapitän brach die Fahrt ab

Eine Frau, die auf der Brücke stand, sei an der Wade getroffen worden; sie blieb demnach aber unverletzt. Die Polizei ermittelt wegen des Versuchs der gefährlichen Körperverletzung gegen zwei Tatverdächtige, die auf dem Boot waren. Es handelt sich um Männer im Alter von 50 und 52 Jahren.

Nach den Attacken brach der Kapitän die Fahrt ab, weil er die Sicherheit seiner Gäste nicht mehr habe garantieren können, sagte eine Sprecherin der Reederei. Der Mann schaltete demnach die Polizei ein, 24 Beamte waren laut "Berliner Morgenpost" im Einsatz, um die Situation zu beruhigen.

Von beiden Gruppen wurden Anzeigen wegen Landfriedensbruchs erstattet; die Polizei ermittelt außerdem wegen Körperverletzung und eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, weil die Protestaktion auf der Brücke nicht angemeldet war, wie die Polizeisprecherin sagte. Ein Gast auf dem Boot wurde laut Polizei leicht am Hinterkopf verletzt.

Der Berliner Reeder äußerte sich auf Facebook. Man distanziere sich von den Inhalten der AfD, Reservierungen der Partei werde man nicht mehr annehmen, bereits gebuchte Fahrten seien abgesagt worden.

"Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei allen unbeteiligten Fahrgästen, unserem Personal und sonstigen betroffenen Personen, die nicht zum Kreise der AfD gehören", hieß es.

Die AfD Niedersachsen teilte auf Facebook mit, dass unabhängig vom tatsächlichen Verlauf der Auseinandersetzungen ein "Betretungsverbot" erteilt worden sei. "Taz" und "T-Online" berichten, dass eine "Initiativgruppe" der AfD aus Wilhelmshaven ein Bild auf Facebook veröffentlicht habe, das Scherben auf dem Boot zeigen soll. "Linksautonome" hätten Flaschen und Steine auf das Boot geworfen. Der Beitrag ist inzwischen gelöscht worden.

jpz

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