Prozess in Berlin Polizist soll gegen Sex Interna preisgegeben haben

In einer Table-Dance-Bar in Berlin soll ein Polizist kostenfrei Sex gehabt und als Gegenleistung Informationen aus dem Polizeicomputer weitergegeben haben. Vor Gericht hat der Beamte die Vorwürfe bestritten.

Amtsgericht Tiergarten
DPA

Amtsgericht Tiergarten


In Berlin steht der 50-jährige Polizist Torsten F. wegen Bestechlichkeit, Geheimnisverrats und versuchter Strafvereitelung vor Gericht. Der suspendierte Beamte fragte der Anklage zufolge seit Frühjahr 2012 in 266 Fällen unbefugt Daten ab und reichte sie für Geld und Gefälligkeiten weiter, berichtet der RBB. Er nahm demnach Halterabfragen zu Autos vor und erteilte Auskünfte zu mutmaßlicher Hehlerware weiter sowie darüber, ob Strafverfahren anhängig sind.

Außer ihm sind sechs Männer angeklagt, die den Polizisten bestochen haben sollen. Drei von ihnen räumten den Bestechungsvorwurf ein. F. hingegen wies die Vorwürfe zurück.

Zu den Empfängern der Informationen gehörte laut Anklage unter anderem Levent Y., der Betreiber einer Table-Dance-Bar im Bezirk Charlottenburg. F. genoss demnach freien Eintritt und nahm kostenlos den Limousinenservice des Lokals sowie sexuelle Dienste in Anspruch. Im Gegenzug habe der Barbetreiber achtmal Informationen aus den polizeilichen Systemen über sich selbst und zwei weitere Personen erhalten. Y. bestritt die Vorwürfe nicht und akzeptierte einen Strafbefehl über 2250 Euro.

Auch die Mitangeklagten Torsten M. und Dindar K. ließen sich auf einen Strafbefehl ein, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. K. soll dem Polizeibeamten ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft überlassen haben, nachdem F. vor einer Auslandsreise von K. überprüft hatte, ob ein Haftbefehl gegen K. vorgelegen habe. M., der für ein Inkassounternehmen Fahrzeuge säumiger Leasingnehmer eintrieb, hatte in Dutzenden Fällen Halterdaten von dem Polizisten abfragen lassen. Er erklärte, er habe die Datenabfragen für rechtens gehalten und bestritt jede Entlohnung.

Ein verdeckter Ermittler belastet den Angeklagten

F. erklärte zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Tiergarten, dass sein Verhalten durch seinen Ermittlungsauftrag gedeckt gewesen sei. Er habe 2008 nach 19 Jahren im Polizeidienst eine neue Ermittlungseinheit mit dem Schwerpunkt Hehlerei mit aufgebaut. "Ich war vollkommen frei in der Ausgestaltung", sagte er. Er habe Gewerbetreibenden, die Gebrauchtwaren ankauften, eine präventive Überprüfung der Gerätschaften im polizeiinternen Informationssystem angeboten. Später habe er diesen "Service" auch Autohändlern angeboten, die er von früheren Stationen gekannt habe.

Ein als Zeuge geladener verdeckter Ermittler belastete F. Er war im August 2014 auf den Angeklagten angesetzt worden. Der 50-Jährige habe einen "sehr freundschaftlichen Umgang" mit dem Besitzer der Table-Dance-Bar gepflegt, sagte der Ermittler.

Der Anwalt des Polizeibeamten kündigte für den weiteren Prozessverlauf eine umfassende Erklärung an. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, mit ihrer Anklage erfolgreiche Ermittlungstaktiken zu gefährden. Für den Prozess sind noch vier weitere Termine angesetzt.

asa/AFP



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