Tödliches Autorennen BGH kippt Mordurteil gegen Berliner Raser

Auf dem Berliner Ku'damm lieferten sich zwei junge Männer ein Autorennen, ein Unbeteiligter starb. Ein Landgericht verurteilte sie wegen Mordes, diese Entscheidung hat der Bundesgerichtshof nun revidiert.

Unfallstelle in Berlin (am 1. Februar 2016)
DPA

Unfallstelle in Berlin (am 1. Februar 2016)


Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das bundesweit erste Mordurteil gegen Raser aufgehoben. Die Richter gaben der Revision zweier Männer statt, die nach einem illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang vom Landgericht Berlin zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren.

Aus Sicht des Landgerichts hatten die Raser den Tod anderer billigend in Kauf genommen. Die beiden hätten "mittäterschaftlich und mit bedingtem Vorsatz" gehandelt und das Auto dabei als Mordwaffe genutzt. Der BGH jedoch sieht einen Vorsatz, der Voraussetzung für ein Mordurteil ist, in dem Berliner Urteil nicht belegt. Er verwies die Sache zur Neuverhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts zurück.

Der Fall habe zwar den Ruf nach härtestmöglichen Strafen laut werden lassen, sei aber gleichwohl nach den bislang getroffenen Feststellungen nicht als Mord oder vorsätzliche Tötung zu qualifizieren, so die Richter. Die beiden jungen Angeklagten machten sich demnach lediglich der fahrlässigen Tötung strafbar.

SPIEGEL TV Magazin (7.2.2016)

Nach dem tödlichen Autorennen auf dem Kurfürstendamm in Berlin waren die beiden Männer im Februar vergangenen Jahres wegen Mordes verurteilt worden. Das Landgericht verurteilte die zur Tatzeit 24 und 26 Jahre alten Männer zu lebenslangen Freiheitsstrafen und entzog ihnen für immer den Führerschein.

Mit 160 Kilometern pro Stunde hatte der Ältere der beiden in der Nacht zum 1. Februar 2016 eine rote Ampel überfahren und in der Nähe des Kaufhauses KaDeWe den Jeep eines unbeteiligten Fahrers gerammt. Der Geländewagen wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert. Der 69 Jahre alte Fahrer starb noch im Auto.

Die Verteidiger hatten lediglich Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen gefordert. Nach ihrer Argumentation ist der Vorsatz zur Teilnahme an einem Rennen nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen. Sie hatten daher Revision gegen das Mordurteil eingelegt - und nun vor dem BGH Erfolg. Die beiden Raser können nun auf eine wesentlich mildere Strafe hoffen. Bei einer fahrlässigen Tötung reicht der Rahmen von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.

Trotz des BGH-Urteils können Raser weiterhin als Mörder verurteilt werden. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Auch können Teilnehmer an illegalen Autorennen neuerdings mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Das Strafgesetzbuch wurde nach dem Berliner Fall verschärft - die Regelung kann für die beiden Raser aber nicht mehr angewandt werden.

Az 4 StR 399/17

mxw/dpa/AFP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.