Rasierklingen auf Spielplatz Berliner Polizei sucht mutmaßlichen Kinderfeind

Auf einem Spielplatz im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wurden zuletzt immer wieder gefährliche Gegenstände entdeckt. Die Polizei ermittelt. Was steckt dahinter?

Blick auf den abgesperrten Spielplatz am Arnimplatz in Berlin
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Blick auf den abgesperrten Spielplatz am Arnimplatz in Berlin


In Berlin hat es jemand offenbar darauf abgesehen, Kinder zu verletzen. Am Arminplatz im Szenestadtteil Prenzlauer Berg, wo besonders viele Familien wohnen, fanden Eltern und Kinder zuletzt immer wieder scharfe und gefährliche Gegenstände auf einem Spielplatz - darunter Rasierklingen und Nadeln. In der Umgebung wurden auch Reißzwecken entdeckt.

Die Polizei ermittelt, die zuständige Bezirksverwaltung Pankow will sich verstärkt um den Platz kümmern.

Betroffene und Ermittler rätseln: Was steckt dahinter? Ist es ein Kinderhasser? Ein geistig verwirrter Mensch? Oder ein Gentrifizierungsgegner?

Der Arnimplatz liegt ein ganzes Stück weit entfernt vom Kneipenkern rund um Kollwitzplatz und Mauerpark. Doch die gut verdienende Mittelschicht aus Deutschland und Europa ist längst auch im Norden des Stadtteils angekommen. Es gibt vegane Restaurants und einen Supermarkt mit umfangreicher Fischabteilung.

100 Reiszwecken vor einer Kita

Im Buddelsand eines Spielplatzes dort wurden Anfang August eine Handvoll Reißzwecken entdeckt. Bisher habe man ab und zu Glasscherben oder Rasierklingen gefunden, sagte eine Frau vom zuständigen Bezirksamt Pankow. "Reißzwecken sind neu."

Zwei Wochen später zog dann ein 40-jähriger Vater, der mit seinem Sohn spielte, drei Rasierklingen aus dem gleichen Sand. Ende August waren es dann Nähnadeln, die im Buddelkasten lagen. Ein Nachbar berichtete der Polizei von einem anderen Spielplatz in der Nähe, wo er eine Rasierklinge fand. Das Grünflächenamt ließ den Sand durchsieben. Die Polizei kündigte zusätzliche Rundgänge an.

Hier, am Arminplatz, wurden Anfang August eine Handvoll Reißzwecken entdeckt
DPA

Hier, am Arminplatz, wurden Anfang August eine Handvoll Reißzwecken entdeckt

Ende August dann der nächste Vorfall: Vor einer Kita - nahe dem betroffenen Spielplatz - fand ein Hausmeister rund 100 Reißzwecken auf dem Gehweg. Der vorerst letzte Polizeieinsatz ereignete sich am Mittwoch: Eine 29-jährige Mutter spielte mit ihren Kindern im Sandkasten auf dem Arnimplatz und trat in eine Nadel. Erneute Absperrungen. Die Polizei teilte mit: "Die Ermittlungen dauern an." Es geht um versuchte gefährliche Körperverletzung.

Ein Messer, dessen Klinge senkrecht aus dem Sand ragte

Rasierklingen, Reißzwecken oder Messer wurden in Berlin und Umgebung auch schon auf anderen Spielplätzen gefunden, im Juni in Zehlendorf, im Süden der Hauptstadt, im September in Potsdam. Solche Vorfälle ereignen sich auch andernorts: In Nagold bei Stuttgart fand am Donnerstag eine Mutter beim Spielen mit ihrem zweijährigen Kind ein rund 15 Zentimeter langes Messer, dessen Klinge senkrecht aus dem Sand ragte. Ende August gab es einen ähnlichen Vorfall in Freudenstadt.

In Prenzlauer Berg entsteht jedoch der Eindruck eines Serientäters. Es habe tatsächlich inzwischen mehrere Vorfälle gegeben, mehr wisse man bisher aber nicht, sagte ein Polizeisprecher.

Bezirksstadtrat Daniel Krüger (AfD), verantwortlich für das Ordnungsamt, will nicht über einen möglichen Kinderhasser spekulieren. "Über die Motivation des Täters kann ich nichts sagen. Wir sind jetzt erst mal gefordert, dort wachsam zu sein." Das Ordnungsamt werde mit seinen Kontrolleuren präsenter sein.

"Kehrenbürger" sammelten 50 Spritzen ein

Häufiger als die gezielten und heimtückischen Verletzungsversuche mit Nadeln oder Rasierklingen sind in der Großstadt allerdings die Gefahren durch gebrauchte Spritzen von Drogensüchtigen. "Das ist sicher ein stadtweites Problem, besonders in den Innenstadtbezirken, sagte der Polizeisprecher. Andere Städte wie Hamburg und Frankfurt kennen das auch. Die Einwegspritzen liegen in Hauseingängen, Parks und auf zahlreichen Spielplätzen.

In Berlin-Kreuzberg trat kürzlich ein Junge in eine HIV-infizierte Spritze, die durch den Turnschuh stach und ihn verletzte. In Schöneberg, einem alternativ-bürgerlichen Stadtteil im Westen der Stadt, gründete sich eigens die Nachbarschaftsinitiative "Clean Kiez". Die Mitglieder tragen orangefarbene Westen mit der Aufschrift "Kehrenbürger" und sammeln regelmäßig auf Spielplätzen Spritzen ein. Ein Ergebnis war in der "Berliner Zeitung" als Foto zusehen: etwa 50 Spritzen, gesammelt an einem Nachmittag auf mehreren Spielplätzen.

Andreas Rabenstein für dpa/mhu

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