Selbstjustiz in Berliner Supermarkt Ladenchef zu mehrjähriger Freiheitsstrafe verurteilt

In Berlin verprügelte der Leiter eines Supermarkts einen Ladendieb - der starb an seinen Verletzungen. Nun wurde der Mann zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Angeklagter André S. mit Anwältin
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Angeklagter André S. mit Anwältin


Für einen Fall tödlicher Selbstjustiz gegen einen ertappten Ladendieb ist ein Supermarktleiter aus Berlin zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach den 29-jährigen André S. der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig.

Der Angeklagte habe dem bereits verletzten Eugeniu B. im September 2016 einen heftigen Schlag versetzt, hieß es im Urteil. Dieser Schlag sei eine der Ursachen für den Tod des 34 Jahre alten Opfers wenige Tage nach der Attacke. André S. hatte einen Schlag mit einem schlagverstärkenden Quarzsandhandschuh in das Gesicht des Ladendiebs eingeräumt.

Der Chef des Marktes im Stadtteil Lichtenberg hatte den obdachlosen Mann zuvor beim Diebstahl einer Flasche Weinbrand erwischt, in einen hinteren Raum geführt und geschlagen.

Drei Tage später starb der 34-Jährige an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Umstritten war im Prozess, ob der Schlag des Angeklagten die Ursache für den Tod des obdachlosen Opfers war. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre Gefängnis wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert.

Im Prozess hatte André S. ausgesagt: "Ich wollte ihn in keiner Weise hart verletzen. Ich hoffe inständig, dass es nicht mein Schlag war, der ihn so verletzt hat. Das könnte ich mir nie verzeihen." Es sei nicht das erste Mal gewesen. Er habe den Moldauer belehren wollen, sagte er. Eugeniu B. ist nun tot.

Die Verteidigerin des Supermarktchefs hatte der "Berliner Zeitung" zufolge im Prozess eingeräumt, ihr Mandant habe "eine Art Selbstjustiz ausgeübt, sich menschenverachtend" verhalten.

cnn/apr/dpa



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