Kampf gegen kriminelle Clan-Mitglieder in Berlin Diese Staatsanwältin lässt Polizisten hoffen

Die Strafverfolgung krimineller Clan-Mitglieder hängt in Berlin wesentlich von einer Person ab: Oberstaatsanwältin Petra Leister. Sie steht für einen starken Rechtsstaat - trotz aller Hindernisse und Rückschläge.

Oberstaatsanwältin Petra Leister
imago/ tagesspiegel

Oberstaatsanwältin Petra Leister

Von und Claas Meyer-Heuer


Petra Leister ist immer im Stress. Die 54-Jährige ist derzeit die wohl bekannteste Strafverfolgerin Berlins, wenn nicht sogar der ganzen Republik. Weil sie sich mit den Machenschaften krimineller Clan-Mitglieder beschäftigt - und damit mehr als genug zu tun hat.

Leister leitet die Abteilung 255, Organisierte Kriminalität, Schwerpunkte unter anderem Einbruchsserien. Die Großfamilie Rammo ist Leister gut bekannt. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende klagte sie vier Rammo-Brüder wegen Bandendiebstahls an. Adounise, der Jüngste des Gangsterquartetts, bekam eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Neulich war Adounise wieder einmal am Landgericht, als Zuschauer. Angeklagt war sein Neffe Toufic, es ging um Einbrüche. Die Oberstaatsanwältin erkannte Adounise sofort.

Leister macht auch das soziale Umfeld dafür mitverantwortlich, wenn Clan-Mitglieder straffällig werden, wie sie in einem Interview mit SPIEGEL TV sagt: "Das sind Personen, die nicht nur verwandtschaftlich miteinander verbunden sind, sondern ihre Verwandten sind ihre besten Freunde. Sehr häufig haben die Personen keine legalen Berufe, entsprechend hält man sich den ganzen Tag in geschlossenen Kreisen auf."

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Leisters Arbeit ist auf diese Kreise ausgerichtet. Und sie arbeitet viel, ihr Gedächtnis und ihr Fleiß fallen Kriminellen wie Kollegen auf. Wenn andere bei der Staatsanwaltschaft Feierabend machen, studiert sie weiter Akten. Sie geht meistens erst, wenn es draußen dunkel ist. Auch im Sommer. In ihrem Urlaub macht sie Abstecher ins Büro.

Amtsmüde Polizisten, aufgerieben durch Mangel und strukturelle Bräsigkeit, entdecken mit Leister wieder das Gefühl, dass der Rechtsstaat sich noch wehren will. Im Juli 2018 rückten LKA-Fahnder aus, um 77 Immobilien des Rammo-Clans zu beschlagnahmen. Den Plan dazu entwickelte Leisters Abteilung zusammen mit den Finanzfahndern des LKA-Dezernats 31.

Die ganze Aktion ist in vielen Bereichen rechtliches Neuland. Der Erfolg ist keineswegs gewiss. Die meisten Staatsanwälte hätten den Anfangsverdacht womöglich kreativ beerdigt und die Ermittlungen eingestellt. Doch offenbar tickt Leister nicht wie die anderen.

Bei dieser Strategie bleiben Rückschläge nicht aus. Am 15. Januar wurde das Clan-Oberhaupt Arafat Abou-Chaker zu einer Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung verurteilt. Vor dem Gerichtssaal warteten szenekundige Ermittler des LKA und die Oberstaatsanwältin mit einem Haftbefehl. Leister ließ Abou-Chaker noch im Gericht festnehmen.

Angeblich wollte der 42-Jährige der Familie seines ehemaligen Geschäftspartners Anis Ferchichi alias Rapper Bushido etwas antun. Zweieinhalb Wochen später war Abou-Chaker wieder frei. Leister waren die wichtigsten Zeugen weggebrochen.

Zu ihrer persönlichen Gefährdung gibt Leister keine Auskünfte. "Dazu kann und darf ich nichts sagen", sagt sie. Das Gespräch ist schnell beendet. Die Akten warten.


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