Berlin Vater wegen illegaler Beschneidung seines Sohnes verurteilt

7500 Euro Schmerzensgeld bekommt ein Junge aus Berlin, weil sein Vater ihn von zwei Nichtmedizinern beschneiden ließ - zu Hause auf dem Küchentisch.

Amtsgericht Berlin Tiergarten
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Amtsgericht Berlin Tiergarten


In Berlin ist ein 52-Jähriger wegen der illegalen Beschneidung seines Sohnes zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem müsse er 7500 Euro Schmerzensgeld an den Jungen zahlen, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani.

Der Mann wurde der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen, weil er im Oktober 2015 seinen neunjährigen Sohn auf dem Küchentisch seiner Wohnung von zwei Nichtmedizinern hatte beschneiden lassen. Das sei gegen den Willen des Jungen und ohne Wissen oder Zustimmung der damals bereits von dem 52-Jährigen getrennt lebenden Mutter geschehen. Im Prozess sagte die Mutter laut Gerichtssprecherin Jani, der Junge sei traumatisiert gewesen und habe unter starken Schmerzen gelitten.

Der Vater hatte den Angaben zufolge die Tat gestanden und gesagt, in seiner Heimat Angola sei das so üblich. Das Gericht entsprach mit der Bewährungsstrafe der Forderung der Staatsanwaltschaft.

"Bei dem Schmerzensgeld allerdings ist das Gericht deutlich über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinausgegangen, die 1800 Euro gefordert hatte", sagte die Gerichtssprecherin. Die Anwältin des Jungen, der als Nebenkläger auftrat, hatte 10.000 Euro verlangt. Die Verteidigung hatte auf eine Geldstrafe plädiert.

Das Beschneidungsgesetz in Deutschland erlaubt die Entfernung der Vorhaut nur, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Dazu zählen etwa Aufklärung der Eltern und eine Betäubung oder Narkose für das Kind. In den ersten sechs Lebensmonaten dürfen Säuglinge auch von entsprechend ausgebildeten religiösen Beschneidern, die keine Ärzte sind, beschnitten werden. Ärzte und Kinderschutzverbände kritisieren dieses Gesetz.

Video: Beschnitten oder nicht?

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bbr



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