Gefängnisausbruch Warum die Häftlinge in Berlin fliehen konnten

Mehrere Gefangene brachen kurz vor dem Jahreswechsel aus der JVA Plötzensee in Berlin aus. Jetzt haben die Ermittler bekannt gegeben, wie es dazu kam.

Justizvollzugsanstalt Plötzensee in Berlin
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Justizvollzugsanstalt Plötzensee in Berlin


Knapp drei Monate nach dem spektakulären Ausbruch von mehreren Strafgefangenen aus dem Berliner Gefängnis Plötzensee hat ein Untersuchungsbericht beträchtliche Sicherheitsmängel offengelegt. Vorschlaghämmer hätten in der unübersichtlichen Kfz-Werkstatt der Haftanstalt in einem ungesicherten Regal gelegen, heißt es in dem Bericht einer Expertenkommission. Auch Kuhfüße - eine Art Brecheisen - seien offen zugänglich gewesen.

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) war zu Jahresbeginn heftig unter Druck geraten, als innerhalb weniger Tage insgesamt neun Häftlingen - auch aus dem offenen Vollzug - die Flucht gelang. Der regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) beauftragte Behrendt, dem rot-rot-grünen Senat eine genaue Untersuchung vorzulegen. Der Justizsenator setzte eine Expertenkommission ein.

Vier Häftlinge hatten sich mit Vorschlaghammer, zwei Flexgeräten und einer Hydraulikpresse aus der Kfz-Werkstatt kurz nach Weihnachten aus einem Heizungsraum den Weg in die Freiheit gebahnt. In dem Bericht heißt es, die Tür zum Heizungsraum müsse häufiger unverschlossen gewesen sein. Mitgefangene hätten angegeben, er sei ein "perfekter Ort zum Kiffen" gewesen.

Zudem soll schon vier Wochen vor der Flucht ein Bediensteter bemerkt haben, dass die Schrauben eines Lüftungsgitters gelockert worden seien. Hierzu liefen noch Ermittlungen. In der Kfz-Werkstatt mit mehreren Hallen und Nebenräumen sei eine ständige Kontrolle der Gefangenen unmöglich oder nur mit extrem hohem Personalaufwand zu leisten.

Die vier Gefangenen hatten sich zum Teil wieder gestellt oder waren festgenommen worden. Sie wurden getrennt in anderen Strafanstalten untergebracht.

Im Video: Anarchie in Berliner Gefängnissen

SPIEGEL TV

ans/dpa



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