Berliner Autozündler: Brandstifter muss für sieben Jahre ins Gefängnis

Er zündete aus Sozialneid vorwiegend teure Autos in der Hauptstadt an: Ein Brandstifter ist zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den 28-Jährigen in mehr als hundert Fällen schuldig.

Ausgebrannter Opel in Berlin (August 2011): Serienbrandstifter zu sieben Jahren Haft verurteilt Zur Großansicht
dapd

Ausgebrannter Opel in Berlin (August 2011): Serienbrandstifter zu sieben Jahren Haft verurteilt

Berlin - Er zerstörte 102 Autos, verursachte Schäden in Millionenhöhe und gefährdete Menschenleben: Wegen einer Serie von Brandanschlägen ist ein 28-Jähriger vom Landgericht Berlin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der Verteidiger des damals arbeitslosen Mannes hatte auf "eine gerechte Strafe" plädiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Gefängnis gefordert. Aus übersteigerter Geltungssucht habe der 28-Jährige ganz Berlin in Angst versetzt, sagte die Anklage in ihrem Plädoyer. Die Taten seien in hohem Maße sozialschädlich gewesen. Erheblich strafmildernd wertete die Anklage, dass der Angeklagte Reue gezeigt und die Brandstiftungen gestanden hatte.

Zu seinem Motiv hatte der Angeklagte im Prozess gesagt: "Reiche Leute, die mehr Geld haben, sollten sich auch mal ärgern." Er sei frustriert über seine eigene Lebenssituation und neidisch gewesen. Der 28-Jährige bat Betroffene, aber auch die Öffentlichkeit "nachhaltig und ernsthaft um Vergebung".

Der Anklage zufolge waren durch die Taten des Mannes auch Menschenleben gefährdet, da die Flammen drohten, auf benachbarte Wohnhäuser überzugreifen. In einem Fall soll dadurch der Dachstuhl eines Einfamilienhauses abgebrannt sein. In einem weiteren Fall musste eine Seniorenresidenz in Charlottenburg geräumt werden, weil das Feuer eines brennenden Autos das Gebäude bedrohte.

Ein politisches Motiv schloss die Strafkammer aus. Arbeitlos, verschuldet und ohne Freundin kamen dem Mann die Autos zum Frustabbau gerade recht, erklärte das Gericht. "Es ging ihm aber auch um Rekorde und Publicity", sagte die Richterin.

Laut Polizei brannten in Berlin im vergangenen Jahr mehr als 700 Autos. Ein Teil der Taten wird linksextremen Kreisen zugerechnet. Viele Brandstiftungen sollen auch Trittbrettfahrer und Versicherungsbetrüger verübt haben. Durch den Schutz der Dunkelheit waren die Täter schwer zu fassen. So wurde auch der 28-Jährige durch Zufall gestellt, mit Hilfe von Videoaufzeichnungen aus der U-Bahn. Ein Gutachter bescheinigte dem Berliner eine volle Schuldfähigkeit. Der junge Mann habe Macht gespürt und die Brände als Erfolgserlebnis verbucht.

wit/dpa/dapd

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1. Och Joh!
Dr. Fuzzi 03.04.2012
Na ist doch günstig, mal fix de Privatinsolvenz abgegeben und schon ist bei Entlassung aus dem deutschen Luxusknast wieder alles in Butter!
2. Nichts ist in Butter!
Vito.Andolini 03.04.2012
Zitat von Dr. FuzziNa ist doch günstig, mal fix de Privatinsolvenz abgegeben und schon ist bei Entlassung aus dem deutschen Luxusknast wieder alles in Butter!
Nein nein, Herr Doktor Fuzzi, da kann ich Sie beruhigen: Auch nach der Entlassung aus dem Luxusknast wird für den Angeklagten nichts in Butter sein. Schadensersatzansprüche aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen bleiben nämlich auch bei Erteilung der Restschuldbefreiung nach einem Insolvenzverfahren bestehen, § 320 Nr. 1 InsO (Insolvenzordnung).
3.
beatlefan 03.04.2012
Zitat von Vito.AndoliniNein nein, Herr Doktor Fuzzi, da kann ich Sie beruhigen: Auch nach der Entlassung aus dem Luxusknast wird für den Angeklagten nichts in Butter sein. Schadensersatzansprüche aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen bleiben nämlich auch bei Erteilung der Restschuldbefreiung nach einem Insolvenzverfahren bestehen, § 320 Nr. 1 InsO (Insolvenzordnung).
Da ist mir jemand zuvorgekommen. Aber genau so ist es. Die Restschuldbefreiung kann er sich an die Backe nageln. Dafür wird der Typ sein Leben lang pleite sein und evtl. aus erneuter Geltungssucht irgendetwas anderes anstecken.
4. Ob Butter oder Nix-
f.a.g. 03.04.2012
Zitat von Vito.AndoliniNein nein, Herr Doktor Fuzzi, da kann ich Sie beruhigen: Auch nach der Entlassung aus dem Luxusknast wird für den Angeklagten nichts in Butter sein. Schadensersatzansprüche aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen bleiben nämlich auch bei Erteilung der Restschuldbefreiung nach einem Insolvenzverfahren bestehen, § 320 Nr. 1 InsO (Insolvenzordnung).
Butter , für solch einen schrägen (Feuer)Vogel ,wünschte ich mir ganz einfach die gute ,alte und vielfachbewährte Bastonade . Auch oder weil es gewissen Gutmenschen nicht gefällt ,aber bei solch asozialem Gesindel unter Garantie , Wirkung zeitigt . Soviel zum Thema justiziable "Nachhaltigkeit" !
5. mal auf's Tacho geschaut?
mattotaupa 03.04.2012
Zitat von sysopGemessen daran, dass der U-Bahn-Schläger, der in Berlin einen jungen Italiener in den Tod getrieben hat, mit einer Bewährungsstrafe davongekommen ist, wissen wir jetzt, was der Berliner Justiz wirklich wichtig ist: die Autos der reichen Leute.
...war mir neu, dass gebrauchte Golf, Nissan Micra etc. nun die Autos reicher Leute sind. Mich freut das Urteil sehr.
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