Berliner "Ehrenmord" Sürücü-Sohn bleibt bei Pflegeeltern

Der minderjährige Sohn der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü, die im vorigen Jahr in Berlin auf offener Straße erschossen wurde, bleibt bei seinem derzeitigen Vormund. Ein Gericht lehnte einen Antrag der Schwester des Opfers ab, das Sorgerecht für den Jungen übernehmen zu dürfen.


Berlin - Nach Beendigung des Strafprozesses um den sogenannten Berliner Ehrenmord hatte die Schwester der Getöteten am 28. April beim Berliner Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg die Vormundschaft für das Kind beantragt. Zu diesem Zeitpunkt war für das Kind bereits ein anderer Vormund bestellt worden.

Das Gericht entschied nun, dass eine Übertragung der Vormundschaft für den Sohn Can auf Hatun Sürücüs Schwester nicht dem Willen der verstorbenen Mutter entspreche. Diese habe Dritten erklärt, dass sie - sollte ihr etwas zustoßen - nicht wolle, dass ihr Sohn bei ihrer Familie aufwachse. Zum anderen war das Vormundschaftsgericht der Auffassung, dass es mit dem Kindeswohl nicht vereinbar sei, den Jungen nach nunmehr eineinhalb Jahren aus dem inzwischen vertraut gewordenen Umfeld herauszunehmen. Gegen die Entscheidung ist die Beschwerde beim Landgericht möglich.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und eine Debatte über die Integration von Ausländern ausgelöst. Die 23-jährige Mutter eines damals fünfjährigen Sohnes war am 7. Februar 2005 in Berlin-Tempelhof durch drei Kopfschüsse getötet worden.

Nach Überzeugung des Landgerichts Berlin hatte der jüngste Bruder den westlichen Lebensstil der Schwester als "Kränkung der Familienehre" empfunden. Zwei weitere ebenfalls der Tat angeklagte Brüder Sürücüs wurden freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat dieses Urteil mit der Revision angefochten.

ffr/ddp



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