Berliner Gericht Eltern dürfen ihren Sohn "Djehad" nennen

Ein Berliner Gericht hat entschieden, dass Eltern ihren Sohn "Djehad" nennen dürfen. Das Kindeswohl sei dadurch nicht gefährdet. Ein Standesbeamter hatte den arabischen Vornamen zuvor abgelehnt, denn "Djehad" bedeutet Heiliger Krieg.


Berlin - Der Standesbeamte hatte die Beurkundung dieses Namens im Geburtenbuch mit der Begründung abgelehnt, das Kindeswohl sei dadurch erheblich gefährdet: Der Begriff "Heiliger Krieg" habe in Deutschland seit dem 11. September 2001 eine stark negative Bedeutung. Das Kammergericht sah - wie zuvor das Amtsgericht und das Landgericht - die Namenswahl hingegen als unbedenklich an.

Bei "Djehad" handele es sich um eine im Arabischen auch als männlicher Vorname gebräuchliche Bezeichnung für die Verpflichtung der Muslimen zum geistigen und gesellschaftlichen Einsatz für die Verbreitung des Glaubens, hieß es zur Begründung. Der Gebrauch des Wortes als Vorname sei daher keineswegs verunglimpfend oder anstößig.

Daran ändere nichts, dass radikale Islamisten in jüngster Zeit den Begriff im Sinne eines bewaffneten Kampfes gegen Ungläubige verwendeten. Eine Einschränkung des Rechts der Eltern zur Namenswahl könne das nicht rechtfertigen. Auf die Motive der Eltern komme es nicht an.

Aktenzeichen: Kammergericht Berlin, 1 W 93/07

siu/AP



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