Berliner Tiergarten-Mord Lebenslange Haft für Angeklagten

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer Kunsthistorikerin im Berliner Tiergarten ist der Angeklagte zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.


Das Berliner Landgericht hat Ilyas A. des Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge schuldig gesprochen. Er soll im vergangenen September eine 60-Jährige erwürgt haben, um einen Raub zu verschleiern. Dafür wurde er nun zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Anklage warf dem aus Tschetschenien stammenden 18-Jährigen vor, die arg- und wehrlose Susanne F. heimtückisch getötet zu haben.

Der Fall hatte im Herbst vergangenen Jahres großes Aufsehen erregt. Die Kunsthistorikerin war am Abend auf dem Heimweg aus einem Biergarten im Berliner Tiergarten überfallen worden. Ihr Leichnam konnte erst nach drei Tagen in einem Gebüsch gefunden werden, wo sie ihr Mörder versteckt haben soll.

In einer früheren Stellungnahme hatte der Angeklagte den Mordvorwurf bestritten. Er habe die Leiche gefunden und nach Wertsachen durchsucht. Aus Angst, mit der Toten in Verbindung gebracht zu werden, habe er Berlin verlassen. Die Ermittler hatten dann aber DNA-Spuren des 18-Jährigen auf der Leiche sichergestellt. Dennoch hatte seine Verteidigung auf Freispruch plädiert.

Antisozial, empathielos, ohne Schuldgefühle

Ilyas A. war in Polen festgenommen worden, wo er über das Handy seines Opfers geortet worden war. In Zusammenarbeit mit polnischen Behörden wurde der Mann bei Warschau festgenommen und dann nach Deutschland ausgeliefert. Weil der Angeklagte in Deutschland kein Aufenthaltsrecht hat, löste der Fall eine Debatte über die Abschiebepraxis aus.

Der russischer Staatsangehörige hatte keine Wohnung und sollte eigentlich abgeschoben werden. Die Ausländerbehörde hatte im November 2015 angeordnet, ihn nach Verbüßung einer Strafe Ende 2016 auszuweisen. Es habe aber eine Zusage der russischen Seite für eine Unterbringung des Minderjährigen gefehlt, hieß es später.

Aus acht sozialen Einrichtungen in Deutschland war der Täter hinausgeworfen worden. Im Urteil wurde ihm "antisoziales Verhalten" bescheinigt, Hilfsangebote habe er abgelehnt. Vertreter der Jugendhilfe hatten ihn als empathielos ohne Integrationsbemühungen und ohne jegliche Schuldgefühle charakterisiert.

ala/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.