Kinderpornografie-Besitz  Vatikangericht verurteilt Ex-Diplomat

Seit Jahren gibt es in der katholischen Kirche immer wieder Vorwürfe wegen Pädophilie. Jetzt hat das Gericht des Vatikanstaats einen Geistlichen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch verurteilt - zum ersten Mal.

Carlo Alberto Capella (links) mit seinem Anwalt Roberto Borgogno
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Carlo Alberto Capella (links) mit seinem Anwalt Roberto Borgogno


Das Gericht des Vatikanstaates verhängte gegen den ehemaligen Diplomaten Carlo Alberto Capella eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und eine Geldstrafe von 5000 Euro - im Vatikan ist erstmals ein Geistlicher im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch verurteilt worden. Die Richter befanden ihn des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie für schuldig. Die Anklage hatte fünf Jahre und neun Monate sowie 10.000 Euro Strafe gefordert.

Der Prozess hatte zwei Tage gedauert, bereits am Freitag hatte Capella Fehlverhalten eingestanden. Er habe sich damit gerechtfertigt, dass er in einer "Krise" wegen seiner Versetzung nach Washington gewesen sei, berichteten Journalisten, die beim Prozessauftakt anwesend waren. Von seinem Posten an der Botschaft des Heiligen Stuhls in der US-Hauptstadt war er nach Hinweisen der US-Behörden im vergangenen September abgezogen worden. Später teilte die kanadische Polizei mit, dass sie ebenfalls gegen den Monsignore ermittele. Er soll Kinderpornografie hochgeladen haben, als er sich zu Weihnachten 2016 in Ontario aufhielt.

Seit Jahren tauchen in der katholischen Kirche immer wieder Vorwürfe gegen pädophile Geistliche auf - 2015 sollte sich der frühere Nuntius des Heiligen Stuhls in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski, im Vatikan vor Gericht verantworten. Der Prozessbeginn wurde wegen Krankheit vertagt, kurz darauf starb der Angeklagte im Vatikan. In seiner Heimat Australien muss sich demnächst der Kurienkardinal George Pell wegen Missbrauchsvorwürfen verantworten. Sein Amt als Finanzchef des Vatikans lässt er deshalb ruhen.

Papst Franziskus hat immer wieder erklärt, bei Missbrauch wie sein Vorgänger Benedikt XVI. ein "Null-Toleranz-Prinzip" zu verfolgen. Bei seiner Chile-Reise im Januar hatte der Pontifex aber einen Eklat ausgelöst, als er einen dort im Zuge eines Skandals beschuldigten Bischof in Schutz nahm. Später bat er um Verzeihung und gestand ein, die Lage falsch eingeschätzt zu haben; Anfang Juni trat der Bischof Juan Barros zurück.

eth/dpa



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