Bilanz zum Missbrauchsskandal "Die Sprachlosigkeit macht uns fassungslos"

Fünf Jahre ist es her, dass Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg bekannt wurden - unzählige weitere Fälle in kirchlichen Einrichtungen und Schulen folgten. Nun zogen Opfervertreter eine ernüchternde Zwischenbilanz.


Berlin - Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden zahlreicher Fälle von sexuellem Missbrauch an Schulen und kirchlichen Einrichtungen kommt die Aufarbeitung des Skandals nur schleppend voran. Das haben Betroffene auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin kritisiert:

  • "Es wird nur das eingestanden, was nachgewiesen ist", sagte der Sprecher der Initiative Missbrauch der evangelischen Kirche in Ahrensburg, Anselm Kohn.

  • "Die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen macht uns fassungslos", sagte Adrian Koerfer vom Verein "Glasbrechen" über die Odenwaldschule. Sein Fazit: "Wir sind noch nicht sehr weit gekommen."

  • Das lange Vertuschen des Skandals nannte Matthias Katsch, Betroffener am Berliner Canisius-Kolleg, das "zweite Verbrechen" der Kirche.

  • "Deutsche Bischöfe weigern sich bis heute, sich mit Missbrauchsopfern an einen Tisch zu setzen", beklagte Klaus Mertes, der frühere Rektor des Canisius-Kollegs.

  • Die vom sexuellen Missbrauch Betroffenen fordern weiterhin angemessene Entschädigungen. Die von der katholischen Kirche angebotene "Anerkennungsleistung" von bis zu 5000 Euro wird als völlig unzureichend kritisiert. In anderen Ländern wie Irland, den Niederlanden oder Portugal habe es Zahlungen bis 60.000 Euro gegeben.

In Deutschland werden Schätzungen zufolge rund 100.000 Mädchen und Jungen pro Jahr sexuell missbraucht. Als Haupttatort gilt die Familie.

jbe/dpa

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bbuchsky 26.01.2015
1. Heuchelei und kein Ende
Wenn ich die zwei Sorten des Umgangs dieser "Herren" betrachte, wird mir schlecht. Ein Mensch, der mit der 2. Heirat seine Übernahme von Verantwortung verdeutlicht, erhält keine Sakramente und gilt als Aussätziger, ein Priester, der über Jahrzehnte Kinder mißbraucht, wird maximal mit Hausarrest im Vatikan belohnt. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass sich Gläubige in ihrem Ehrverständnis durch die pauschale Aburteilung ihrer "Kirche" gekränkt fühlen, und mir ist ebenfalls klar, dass es außerhalb klerikaler Einrichtungen noch schlimmer zugeht. Trotzdem bleibt diese Ausnutzung der Machtposition im klerikalen System an Widerlichkeit nicht zu übertreffen. Als Atheist halte ich die Auslieferung von Kindern an solche Leute für hochgradig dumm , es verletzt zudem die ach so hochgelobte "Religionsfreiheit". Jedenfalls die der Kinder! Die haben keine Wahl!
florencegrosse 26.01.2015
2. Staat & Kirche in Deutschland nicht getrennt!
Die Täter sollten dem staatlichen Rechtssystem unterstellt werden und dem entsprechend in den Knast wandern. Unvorstellbar, dass sie immer noch frei rumlaufen und weiter Kinder missbrauchen können. Unser Staat hat sich der Kirche monetär und rechtlich untergeordnet. Auch in der Pflege hat unser Staat alle (90%) Pflichten und Einrichtungen den Kirchen überlassen. Das sie die heimlichen Herren im Staate sind ist wohl noch keinem aufgefallen.
nord1icht 27.01.2015
3. Alle Pflichten?
Pflege, Krankenhäuser, Kindergärten werden von der Kirche gemanagt, aber vom Staat bezahlt. Außer dem Image/Etikett ist da nichts mehr besonders christlich. Und dass es in anderen Einrichtungen in Sachen Missbrauch schlimmer zugeht, ist mir schwer vorstellbar - weil fast nirgendwo so ein System der Verschwiegenheit herrscht. Warum man in so einem Verein noch Mitglied sein will, ist mir unverständlich.
tatsache2011 27.01.2015
4.
Zitat von florencegrosseDie Täter sollten dem staatlichen Rechtssystem unterstellt werden und dem entsprechend in den Knast wandern. Unvorstellbar, dass sie immer noch frei rumlaufen und weiter Kinder missbrauchen können. Unser Staat hat sich der Kirche monetär und rechtlich untergeordnet. Auch in der Pflege hat unser Staat alle (90%) Pflichten und Einrichtungen den Kirchen überlassen. Das sie die heimlichen Herren im Staate sind ist wohl noch keinem aufgefallen.
Die Täter werden vor Gericht gestelltz, z.B. dieser Fall: http://www.welt.de/regionales/muenchen/article120333390/Priester-gesteht-Missbrauch-eines-Fuenfjaehrigen.html
fragel 27.01.2015
5. Das kann doch nicht wahr sein
Nun sollen die Kirchsteuerzahler für diese Schweine aufkommen? Im Jahr geschätzte rund 100.000 Mädchen und Jungen werden von diesen Tieren missbraucht und die großen der Kirchen versuchen das zu verharmlosen. Da könnte man ja das Finanzamt mit der Eintreibung der Kirchensteuer der Beihilfe bezichtigen. Ich habe nichts gegen Glauben, aber bin gegen Beihilfe zu verbrechen, da sollten den Tätern, wenn sie schon Straffrei ausgehen, jede Möglichkeit genommen werden, ihren Job als Ausgangsbasis für weitere Verbrechen zu nutzen.
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