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Betrug mit Billigsärgen: Bestatter muss ins Gefängnis

Die Verstorbenen wurden in Billigsärgen eingeäschert, die Angehörigen bezahlten aber teure Modelle: Mit dieser Masche hat ein Bestatter aus Baden-Württemberg rund 200.000 Euro Schaden angerichtet - und muss fast vier Jahre in Haft.

Heilbronn - Ein Bestatter aus Schwäbisch Hall hat seine Kunden im großen Stil betrogen. Vor der Feuerbestattung bettete er Verstorbene in Billigsärge um, stellte den Angehörigen aber teure Modelle in Rechnung. Das Landgericht Heilbronn hat den 33-Jährigen nun zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Als "widerlich und abscheulich" bezeichnete der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsverkündung die Taten des Angeklagten. In 102 Einzelfällen habe der 33-Jährige seine Kunden betrogen - insgesamt sei ein Schaden von knapp 200.000 Euro entstanden. Doch viel höher sei der immaterielle Schaden: das Leid der Angehörigen. Deren Gefühle und Trauer seien "mit Füßen getreten worden".

Vom Tausend-Euro-Sarg in einen Hundert-Euro-Sarg: Vor Gericht gestand der Angeklagte nicht nur diesen Tausch. Er habe auch Grabplätze abgerechnet, die er gar nicht gekauft hatte, und die von Kunden angelegte Vorsorge für Bestattungen in das Firmenkonto statt in ein Treuhandkonto eingezahlt. "Ich wollte einfach den Betrieb retten", sagte der Mann.

Seit Januar 2010 war er in der Bestattungsfirma laut Gericht alleinverantwortlicher Geschäftsführer. Das Unternehmen hatte finanzielle Schwierigkeiten. Dies habe er nicht mehr stemmen können - kaufmännisch kenne er sich nicht aus. Aufgeflogen war der Betrug laut Staatsanwalt durch die Anzeige eines ehemaligen Mitarbeiters.

ulz/dpa

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