Bewährungsstrafe für Geistlichen: Priester hortete Tausende Kinderpornobilder

"Bei 4000 Bildern hörten die Ermittler auf zu zählen": Ein Gericht in Sachsen-Anhalt hat einen katholischen Geistlichen zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt. Der Mann hatte kinderpornografische Fotos auf einer Festplatte gesammelt.

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Katholischer Priester vor Gericht: "Die Bilder waren eindeutig"

Bitterfeld-Wolfen - Weil er Tausende Kinderpornobilder auf seinem Computer gespeichert hatte, ist ein Priester zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zudem muss der katholische Geistliche 2400 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund zahlen. Als Zeitrahmen für die Bewährung legte das Amtsgericht Bitterfeld-Wolfen zwei Jahre fest - die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 40-jährige hatte in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung ein Geständnis abgelegt. Demnach hatte er die mindestens 4000 verbotenen Bilder auf einer externen Festplatte gespeichert. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Jahr 2011 fanden die Ermittler die Aufnahmen. Der Mann war damals als Vikar in der Seelsorge tätig. "Er hat gezielt danach gesucht und alle Bilder behalten. Er hat fleißig gesammelt und sortiert", hieß es im Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Die Vielzahl der Bilder sei beklemmend, sagte Richter Stefan Wilke. "Bei 4000 hörten die Ermittler auf zu zählen", sagte er zur Urteilsbegründung. Je mehr dieser Bilder nachgefragt und gekauft würden, desto größer sei der Anreiz für Produzenten, diese Aufnahmen zu machen. Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos auf.

Polizei und Staatsanwaltschaft waren ihm im Zuge der europaweiten Fahndungsaktion "Operation Tornado" auf die Schliche gekommen. Bereits 2006/2007 war laut Staatsanwaltschaft nach Mitgliedern einer Tauschbörse für Kinderpornografie im Internet gesucht worden. Die Daten seiner Kreditkarte brachten den Mann ins Visier der Ermittler. "Die Bilder waren eindeutig", sagte ein Polizist im Gericht.

Der katholische Geistliche ist nach eigenen Angaben vom Bistum Magdeburg beurlaubt worden. Er lebe jetzt in einem Kloster. Auch ein kirchliches Gericht werde über ihn urteilen. "Das wird dann nach Rom geschickt", sagte er mit Blick auf seine berufliche Zukunft. Der Mann gab an, zwischenzeitlich erfolgreich psychiatrisch behandelt worden zu sein.

ulz/dpa

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