Todessturz aus Gerichtsgebäude Bewährungsstrafen nach Tumulten in Hameln

Sie randalierten vor einem Gerichtsgebäude und einer Klinik, nun sind mehrere Mitglieder einer Großfamilie zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der Richter ging auf die besonderen Umstände der Vorfälle ein.

Landgericht in Hannover
DPA

Landgericht in Hannover


Das Landgericht Hannover hat sechs Mitglieder einer Großfamilie zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten in Hameln Polizisten und Klinikpersonal angegriffen.

Die fünf Männer und eine Frau erhielten unter anderem wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs Strafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Auslöser für die Tumulte im Januar 2015 war der Sturz eines 26-jährigen mutmaßlichen Räubers bei einem Fluchtversuch aus dem siebten Stock des Hamelner Gerichtes. Mitglieder seiner Familie randalierten anschließend dort und vor dem Krankenhaus, wo der 26-Jährige starb. Insgesamt wurden 24 Polizisten und sechs Unbeteiligte unter anderem durch Pflastersteinwürfe und Pfefferspray verletzt.

Richter spricht von "gelebter Ablehnung dieses Staats"

"Das war nur Glück, dass nicht mehr passiert ist", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Joseph in der Urteilsbegründung. Mit Nachdruck ging Joseph auf die besonderen Umstände und die belastende Situation für die Angehörigen ein: Einige von ihnen wurden Augenzeugen des Todessturzes. "Das darf aber nicht dazu führen, dass man Polizisten und Sanitäter angreift", sagte er. "Das ist gelebte Ablehnung dieses Staats, das ist, was da zum Ausdruck kommt, deswegen sitzen sie hier."

Der Richter sagte aber zugleich, es gebe keine Sippenhaft. "Es geht hier nicht darum, M-Kurden abzuurteilen", sagte er. "Es kommt nicht darauf an, ob man sich M-Kurde nennt oder nicht, es kommt darauf an, was man gemacht hat."

Mhallamiye-Kurden (M-Kurden) haben ihre Wurzeln im Südosten der Türkei, viele wanderten später vorwiegend in den Libanon aus. Den Urteilen waren eine Absprache von Anklage und Verteidigung über das Strafmaß und im Gegenzug Geständnisse der Angeklagten vorangegangen.

brt/dpa

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