BGH-Entscheidung Harry Wörz ist endgültig ein freier Mann

Unter den Dauerrechtsstreit im Kriminalfall Harry Wörz wurde nun ein Schlussstrich gezogen: Der Installateur war jahrelang der versuchten Tötung an seiner Frau verdächtigt worden, drei Mal wurde ihm der Prozess gemacht. Jetzt hat der Bundesgerichtshof seinen Freispruch bestätigt.

Sebastian Hattop

Karlsruhe - Der spektakuläre Kriminalfall Harry Wörz ist abgeschlossen. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte in letzter Instanz einen Freispruch des heute 44-Jährigen - und beendete damit einen Kriminalfall, der 13 Jahre die deutsche Justiz beschäftigte.

Wörz saß viereinhalb Jahre lang unschuldig in Haft, weil er im Jahr 1997 versucht haben soll, seine Frau zu töten. Nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens hatte ihn das Landgericht Mannheim im vergangenen Jahr freigesprochen. Der Freispruch ist mit der Entscheidung des BGH rechtskräftig.

Dem Installateur und Bauzeichner aus dem Raum Pforzheim wurde vorgeworfen, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau im Frühjahr 1997 mit einem Schal bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Die Frau ist seit der Tat schwer behindert und kann sich nicht mehr dazu äußern, wer der Täter war.

In einem ersten Prozess wurde Wörz 1998 rechtskräftig zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. In einem Wiederaufnahmeverfahren erfolgte dann ein Freispruch, den der BGH jedoch 2006 wieder aufhob.

In einem dritten Prozess wurde der Ex-Ehemann erneut freigesprochen. Das Mannheimer Gericht hielt den damaligen Liebhaber und Berufskollegen der Frau, einen Polizisten, für wesentlich verdächtiger.

Dagegen hatten Staatsanwaltschaft und der Vater des Opfers Revision eingelegt. Die Bundesanwaltschaft folgte als oberste Staatsanwaltschaft des Bundes dem Antrag jedoch nicht. Der Vater der schwer behinderten Frau wollte dagegen ein viertes Strafverfahren gegen seinen ehemaligen Schwiegersohn Harry Wörz.

Die Entscheidung des BGH am Mittwoch war vom Publikum im Gerichtssaal mit Jubel aufgenommen worden. Wörz sagte unmittelbar nach dem Urteil: "Ich muss mir das alles erst durch den Kopf gehen lassen. Ich kann im Moment nichts dazu sagen."

Zuvor hatte Wörz am Rande der Verhandlung gesagt, es gebe drei Opfer in diesem seit 13 Jahren laufenden Verfahren: "Meine frühere Frau Andrea, mein Sohn Kai und ich."

pad/dpa

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Gockeline 15.12.2010
1. Was der Mann durchgemacht hat ist kaum zu ertragen
Deutlich wurde,wie man in der Polizei zusammen hielt. Da wird einem Mann Hörner aufgesetzt. Die Frau geht fremd mit einem Polizeikollegen. Als es zu der Gewalttat kam, schob man danach alles auf den armen Mann. Alle Polzieibeamten hielten zusammen. Kein Gericht sah die Fehler der Polizei, dass sie keine Spuren aufnahm. Zuviel falsche Rücksicht auf Polizisten?
Pikanaet 15.12.2010
2. na endlich
Hoffentlich hat jetzt jemand das Rückrad und zählt den mehr als zwielichtigen Exschwiegervater und die völlig borniert handelnde Staatsanwaltschaft an, die diesem Mann sein leben zerstört haben. Auch bedarf es einer sehr intensiven prüfung der Rolle der ermittelnden "Kollegen" der Polizei die scheinbar kei nproblem damit haben aus falsch verstandenem Korpsgeist so ein Verbrechen dem falschen in die Schuhe zu schieben, das ist so erbärmlich das es solange gedauert hat und wirft ein extrem schlechtes Licht auf die Deutsche Rechtsprechung. Ich wünsche Harry Wörz alles Gute und das er endlich zur Ruhe kommt und vielleicht irgendwann wieder ein normales Leben führen kann.
Dominik Menakker, 15.12.2010
3. Kein Titel
Zitat von sysopIm*Dauerrechtsstreit um den Kriminalfall Harry Wörz*wurde nun ein Schlussstrich gezogen: Der Installateur war*jahrelang der versuchten Tötung an seiner Frau verdächtigt worden, drei Mal wurde ihm der Prozess gemacht. Jetzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) seinen Freispruch bestätigt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,734828,00.html
Na das wurde auch Zeit. Mich würde das Urteil interessieren, ob der BGH auch Stellung zu seiner eigenen unheiligen Rolle in diesem Fall genommen hat und dies mit einer ausdrücklichen Entschuldigung verbunden hat.
vali.cp 15.12.2010
4. ...
Zitat von sysopIm*Dauerrechtsstreit um den Kriminalfall Harry Wörz*wurde nun ein Schlussstrich gezogen: Der Installateur war*jahrelang der versuchten Tötung an seiner Frau verdächtigt worden, drei Mal wurde ihm der Prozess gemacht. Jetzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) seinen Freispruch bestätigt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,734828,00.html
Wunderbar. Hoffentlich bekommt der Mann nun die Ruhe, die er nach all den Jahren verdient hat.
Shneedlewoods, 15.12.2010
5. bis zu 20% der Inhaftierten unschuldig
Herr Wörz hat ja noch "Glück" gehabt, daß im Zivilprozess um Schadensersatz die Versicherung nicht zahlen wollte. Sonst wäre es nie zu einer Revision gekommen. Seriöse Quellen gehen davon aus, daß bis zu 20% der Inhaftierten unschuldig verurteilt wurden. Einfach weil u.a. schlampig ermittelt wird und der Weg des geringsten Widerstands gegangen wird... Hauptsache, die Aufklärungsstatistik sieht gut aus.
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