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BGH urteilt über Freispruch: Neuer Prozess im Fall Harry Wörz möglich

Der Fall Harry Wörz scheint kein Ende zu nehmen: Am 15. Dezember wird erneut vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten gegen den letzten Freispruch des Bauzeichners erneut Revision eingelegt.

Harry Wörz: Der lange Kampf um Gerechtigkeit Fotos
Sebastian Hattop

Karlsruhe - Die Pressestelle des Bundesgerichtshofes (BGH) bestätigte am Freitag entsprechende Berichte der "Pforzheimer Zeitung", dass sich der Generalbundesanwalt beim BGH für eine Verhandlung über den Freispruch für Harry Wörz ausgesprochen habe.

Es handelt sich um einen der ungewöhnlichsten Prozesse der bundesdeutschen Rechtsgeschichte: Wörz war 1998 zu elf Jahren Haft verurteilt worden, weil er seine damalige Frau mit einem Wollschal beinahe erwürgt haben soll. Die Frau ist seit der Tat schwer behindert und kann sich nicht mehr dazu äußern, wer der Täter war.

Nachdem schwerwiegende Mängel bei den Ermittlungen bekannt wurden, erreichte Wörz die Wiederaufnahme des Verfahrens. Im Jahr 2005 wurde er zum ersten Mal freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob jedoch den Freispruch auf und ordnete eine Neuauflage des Prozesses an.

Im Oktober 2009 sprach das Landgericht Mannheim den gelernten Installateur und Bauzeichner erneut frei - und rückte in der Urteilsbegründung den damaligen Liebhaber des Opfers, den Polizisten Thomas H., als Tatverdächtigen in den Fokus.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten beim BGH erneut Revision eingelegt. Diese wird nun am 15. Dezember verhandelt.

jjc/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. oooo
inci 17.09.2010
Zitat von sysopDer Fall Harry Wörz scheint kein Ende zu nehmen: Am 15. Dezember wird erneut*vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten gegen den letzten Freispruch des Bauzeichners erneut Revision eingelegt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,718101,00.html
da wo sich mannheimer richter einmal verbissen haben, lassen sie so schnell nicht locker.
2. .
frubi 17.09.2010
Zitat von sysopDer Fall Harry Wörz scheint kein Ende zu nehmen: Am 15. Dezember wird erneut*vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten gegen den letzten Freispruch des Bauzeichners erneut Revision eingelegt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,718101,00.html
Die ganze Polizeidirektion könnte man danach direkt auflösen. Ich kann den Zusammenhalt unter Kollegen ja nachvollziehen aber ich decke doch niemanden, der als Mörder verdächtigt werden könnte. Der Polizei an sich haben diese Leute jedenfalls einen Bärendienst erwiesen.
3. Geliebter der Geschädigten
ZwenAusZwota 17.09.2010
Hat die Staatsanwaltschaft eigentlich schonmal Ermittlungen gegen den Geliebten der Geschädigten aufgenommen? Oder ist Justitia gegenüber Polizisten blind?
4. Wie lange noch?
hannovernews 17.09.2010
Es gab darüber vor einigen Monaten einen sehr guten Dokumentarfilm in der ARD: http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,k7acuevfkptbu1ca~cm.asp Vielleicht sollte sich mal jemand die Mühe machen, und all die Fälle zusammenzutragen, bei denen die Polizei Ermittlungen verschleppt oder gar behindert hat, bei der Beweismittel nicht berücksichtigt oder gar vernichtet wurden. Das würde wohl eine ganze Bibliothek füllen. Vor allem, wenn dann noch einseitig ermittelt wird und einer oder eine bereits von Anfang an als TäterIn feststeht. Justitia, gib uns den Glauben an Dich zurück!
5. Komödien - äh: Richterstadl
Michael KaiRo 17.09.2010
Zitat von incida wo sich mannheimer richter einmal verbissen haben, lassen sie so schnell nicht locker.
Scheint dort schon ein merkwürdiges Beamten- - äh pardon: Richterstadl zu sein (Richter sind ja keine Beamten !) - erst vor kurzem wurde übers dortige Richterstadl berichtet: "Die Richter aus Karlsruhe haben für eine entscheidende Wende im Fall Kachelmann gesorgt. Die Richter aus Mannheim wurden abgewatscht." Aber in diesem, unseren "Rechtsstaat" wundert mich rein gar nichts mehr.
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Der Angeklagte
Harry Wörz, geboren 1966, wächst als Sohn eines Friseurmeisters in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach der Scheidung seiner Eltern bleibt er zusammen mit seiner älteren Schwester bei Vater und Großmutter. Das Verhältnis zu seiner Mutter ist beständig. Wörz lernt Gas- und Wasserinstallateur, holt später die mittlere Reife nach, lässt sich zum Bauzeichner ausbilden und arbeitet schließlich als Gabelstapelfahrer und Maschineneinrichter. Die Ehe mit der Polizistin Andrea Z. geht in die Brüche, als der gemeinsame Sohn Kai ein Jahr alt ist. Wörz hat ihn seit 2004 nicht mehr gesehen. Vor viereinhalb Jahren heiratet Wörz ein zweites Mal und wird erneut Vater. Für die Prozesse gegen ihn hat Harry Wörz sich hoch verschulden müssen.
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Harry Wörz: Der lange Kampf um Gerechtigkeit


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