Tierschutz-Aktivisten Polizei ermittelt gegen "Pelz-Polizei"

Sie sprechen Passanten mit Pelzkleidung an - und bezeichnen sich als "Pelz-Polizei": In deutschen Städten werben derzeit Aktivisten für Tierschutz. Nun hat sich die echte Polizei eingeschaltet.

"Pelz-Polizei"
Michael Körner/ Deutsches Tierschutzbüro e.V.

"Pelz-Polizei"


In Bielefeld geht die Polizei unter anderem wegen des Verdachts auf Titelmissbrauch gegen eine selbsternannte "Pelz-Polizei" vor. Gegen zwei Tierschützer, die in mehreren deutschen Städten zuletzt Passanten kritisch auf ihre Pelzbekleidung angesprochen haben sollen, wurden nach Polizeiangaben Strafverfahren eingeleitet.

Grundlage für das Verfahren sei eine Aktion der Gruppe in Bielefeld, teilten die Ermittler mit: "Die Tierschützer trugen dabei einheitliche Bekleidung mit dem Aufdruck 'Pelz-Polizei' auf Jacke und Mütze sowie eine Art Polizeistern auf dem Ärmel der Jacke." Jacken und Mützen erweckten demnach "durch die Aufdrucke, aber auch durch Farbe und Form den Eindruck einer Uniform der Polizei".

Da Aktion nicht angemeldet gewesen, die Bekleidung uniformartig erschienen und der geschützte Begriff "Polizei" verwendet worden sei, sei das Strafverfahren eingeleitet worden. Der Verdacht laute auf Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie den Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen.

Kampf gegen "Pelzkrägen und Pelzbommeln"

Hinter der "Pelz-Polizei" steht die Tierschutz-Organisation "Deutsches Tierschutzbüro", wie es auf deren Homepage heißt. "Solange Pelzkrägen und Pelzbommeln an Mützen auf der Straße zu sehen sind, werden der Trend und die Mode gefördert", schreiben die Aktivisten. "Deswegen gehen unsere Aktivisten in den kommenden Wochen als Pelz Polizei verkleidet in verschiedenen Großstädten auf Streife und klären Pelzträger über das unsägliche Tierleid hinter dem Produkt auf."

Das Verfahren der Polizei in Bielefeld richtet sich demnach zunächst gegen zwei namentlich bekannte Tierschützer und wurde zur rechtlichen Bewertung an die Staatsanwaltschaft übergeben. Bis zu einer Entscheidung werde die Polizei weitere gleichartige Aktionen der Tierschützer unterbinden.

Lokalmedien zufolge waren Mitglieder der selbsternannten "Pelz-Polizei" in den vergangenen Tagen unter anderem in Hannover, Münster, Hamburg und Berlin patrouilliert. Das Verfahren erinnert an den Streit über islamische Moralwächter, die sich in Wuppertal als "Scharia-Polizei" ausgegeben hatten. Ein Gericht sprach die Gruppe im November vom Vorwurf frei, gegen das Uniformverbot verstoßen zu haben.

mxw/AFP

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